Corriere della Sera - Italien | Mittwoch, 3. März 2010
Scorseses gefährliches Spiel mit der Geschichte
Shutter Island, der Film des US-amerikanischen Regisseurs Martin Scorsese hatte auf den Berliner Filmfestspielen im Februar Weltpremiere. Jetzt ist der Thriller ein Publikumsmagnet im Kino. Bernard Henri-Lévy kritisiert in der liberal-konservativen Tageszeitung Corriere della Sera den leichtfertigen Umgang des US-amerikanischen Regisseurs mit nazistischen Anspielungen: "Der Nazismus ist zu einem neuen Spielfeld geworden, auf dem sich die bad boys Hollywoods amüsieren, dessen Stars jede Minute neu bestimmen, was real ist und was nicht. Oder besser gesagt: Der Nazismus ist zu einem dieser Selbstbedienungsläden geworden, ein Tabu wie jedes andere, aus dem derjenige mit vollen Händen schöpft, der glaubt, ... dass die Realität nur eine der Modalitäten der Fiktion sein müsste. Die Kunst profitiert davon. Nicht aber die Erinnerung. Und noch weniger die Moral. Eine neue Nouvelle Vague [neorealistische, politische engagierte Tendenz des französischen Films der 1950er Jahre] müsste uns daran erinnern, dass die Moral ein Aspekt ist, der heute mehr denn je im Film eine Rolle spielt."
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