Právo - Tschechien | Freitag, 12. März 2010
Minister versagt kulturell, nicht moralisch
Tschechiens Menschenrechtsminister Michal Kocáb hat nach einer außerehelichen Affäre seinen Rücktritt angeboten und sich um eine Rechtfertigung gegenüber der Öffentlichkeit bemüht. Nach Meinung der linken Tageszeitung Právo hat der damit genau das Falsche getan: "Der Minister ist ein Protestant und lässt sich vom evangelischen Moralkodex leiten. Ein Katholik würde zu seinem Fall scherzhaft bemerken, dass Kocáb kein ausgewogenes Verhältnis zur Sünde habe. Der Minister teilte überraschend der Öffentlichkeit mit, wie lange er schon nicht mehr intim mit seiner Ehefrau zusammenlebe. Aber was hat das bitte die Öffentlichkeit zu interessieren? Auch die Tatsache, dass seine Sprecherin jetzt seine Freundin ist, hat keinerlei Bedeutung. ... Kocáb hat nicht moralisch versagt, wie er meint, sondern politisch und kulturell. Dass Hineinziehen der Öffentlichkeit in sein Intimleben führt uns weiter in Richtung einer uneuropäischen Doppelmoral, wie sie in den USA üblich ist."
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