Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Sonntag, 14. März 2010
Papst muss sich äußern
Mit Wissen von Papst Benedikt XVI. wurde 1980 ein bekanntermaßen pädophiler Pfarrer in einer Münchener Gemeinde eingesetzt, wo er sich Jahre später erneut an Minderjährigen sexuell verging. Der Papst muss jetzt drängende Fragen beantworten, fordert die linksliberale Süddeutsche Zeitung, egal wie sich der Fall entwickelt: "Benedikt XVI. hat sexuellen Missbrauch auf das schärfste verurteilt, man kann ihn insofern nicht als Vertuscher oder Leugner hinstellen. Und trotzdem hat das Thema ihn erreicht; jetzt geht es um das Vertrauen, das mehr als eine Milliarde Katholiken in der Welt in den Pontifex setzen können - oder nicht. ... Die Kirche ist nicht in die Vertrauenskrise geraten, weil sie ein Verein von Missbrauchern ist. Sie ist in der Krise, weil sie sich immer noch stärker selbst bemitleidet, statt den Opfern zu helfen, zum Beispiel mit einem Entschädigungsfonds. Sie ist in der Krise, weil sie nicht zugeben will, dass der Priester- und Ordensberuf Männer mit sexuellem Identitätsproblem anzieht. Es ist eine Krise, die das gesamte Land angeht, weil in der Kirche bislang eine Nähe und Wärme möglich war, die anderswo in der Gesellschaft knapp geworden ist. Dieses knappe Gut könnte sie nun verspielen. Auch da ist nun der Papst gefragt."
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