El País - Spanien | Montag, 26. April 2010
José Ignacio Torreblanca über Haikus auf dem sinkenden Schiff Europa
Die EU ist in eine Krise geraten, aus der sie sich nur durch Führungskraft und entschlossenes Handeln befreien kann. Stattdessen schaut sie zu und droht unterzugehen, mahnt der Politologe José Ignacio Torreblanca in der linksliberalen Tageszeitung El País: "Trotz der entsprechenden Warnungen ist die Wirtschafts- und Währungsunion mitten in der Nacht auf einen Eisberg gelaufen. Weil bei ihrer Schaffung keine Mechanismen eingeplant wurden, um auf Krisen wie die aktuelle zu reagieren, läuft das Wasser nun von einem Deck ins nächste, zumindest solange wir keine drastischen Maßnahmen treffen. Doch wir Europäer schauen lieber zu als zu handeln, so wie der Präsident des Europäischen Rates Van Rompuy, der ... ein Buch mit Haikus präsentiert hat, diesen kleinen und bewundernswerten japanischen Gedichten, die von der Vergänglichkeit des Lebens und der Schönheit sprechen. Diese Haikus von Van Rompuy spielen dieselbe Rolle wie das Orchester auf der Titanic, das bis zur letzten Minute auf Deck gespielt hat: Sei es Belgien oder die Währungsunion, die im Meer versinken, sie sollen es wenigstens mit Schönheit tun."
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