El País - Spanien | Montag, 31. Mai 2010
José Ignacio Torreblanca über Russlands erfolgreiche Europapolitik
Europa tritt Russland gegenüber nicht als Einheit auf. Diese Geteiltheit weiß der Nachbar im Osten besonders gut auszunutzen, meint der Politologe José Ignacio Torreblanca in der linksliberalen Tageszeitung El País: "Diese internen Meinungsverschiedenheiten haben es Russland ermöglicht, die Europäer ganz nach seinen Wünschen zu steuern, indem es einige Länder belohnt, andere ignoriert und sogar direkt unter Druck setzt, ohne dass die anderen zur Hilfe gekommen wären. ... Man muss den Erfolg Russlands anerkennen: Mit einer Wirtschaft, die 15 Mal kleiner ist als die der EU, mit einem Verteidigungshaushalt, der 10 Mal geringer ist als der der 27 Staaten, und mit einer Bevölkerung, die dreieinhalb Mal kleiner ist, hat es Russland geschafft, mit der EU auf gleicher Augenhöhe zu verhandeln. Dabei hat Russland deren Pläne in der Ukraine bis nach Zentralasien über den Kosovo, Iran und Georgien ernsthaft behindert. Ein Applaus für seine Diplomatie, die die alte Regel 'Divide et impera' besser zu nutzen weiß als jeder andere."
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