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Corriere del Ticino - Schweiz | Freitag, 11. Juni 2010

Kindesmissbrauch und Klerikalismus

Der Skandal um den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in mehreren Ländern ebbt ab, die Kirche hat sich zu ihrer Schuld bekannt und rechtliche Schritte unternommen. Doch darf das Problem nicht begraben werden, sondern muss zu einer tieferen Auseinandersetzung mit dem Klerikalismus anregen, meint der liberale Corriere del Ticino. Nicht das Zölibat führt zu Kindesmissbrauch, sondern "die Störungen in der sexuellen und emotionalen Entwicklung einer Person. Das hat nichts mit dem Priestersein zu tun. Wohl aber mit Klerikalismus, mit der Tendenz der Kirche, den Klerus als höher gestellte Gesellschaftsgruppe über die weltliche Bevölkerung zu stellen. Die 'traditionalistischen' Ideen gewisser Geistlicher und ihre zweifelhafte Überzeugung, moralisch oder geistlich besser als normale Sterbliche zu sein, beinhalten als solche noch keine stärkere Tendenz zum Missbrauch von Minderjährigen. Doch sie führen zu einem Berg von Privilegien, der Kindesmissbrauch toleriert, versteckt, schützt und seine Ausdehnung über einen längeren Zeitraum zulässt."

» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 11. Juni 2010

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