Frankfurter Rundschau - Deutschland | Dienstag, 15. Juni 2010
Weltmächte reagieren zynisch
Die kirgisische Übergangsregierung von Rosa Orunbajewa hat Russland um "Friedenstruppen" gebeten. Aber der Nachbar verteidigt bisher nur seinen Luftwaffenstützpunkt Kant bei Bischkek, statt Soldaten in die Krisenorte Dschalalabad und Osch zu schicken, kritisiert die linksliberale Frankfurter Rundschau: "Doch dorthin Soldaten zu schicken ist riskant. Usbekistan ist für Moskau das wesentlich wichtigere Land. Sollte die russische Regierung nicht eindeutig Partei für die angegriffenen Usbeken ergreifen, wird Ärger mit Usbekistan nicht ausbleiben. Die USA wiederum sind an Kirgistan wegen ihres Stützpunkts Manas, der in der Nähe der Hauptstadt Bischkek liegt, interessiert. Er ist wichtig für den afghanischen Feldzug. Manas jedoch wird im Zuge der Auseinandersetzungen ganz gewiss nicht angegriffen. ... Viel spricht für die Annahme, dass polit-kriminelle Bandenführer die Differenzen zwischen verarmten Usbeken und Kirgisen anfachen, um Nutzen aus dem Chaos zu ziehen. Spuren weisen dabei auf den Clan des gestürzten Präsidenten Bakijew. Die Großmächte Russland und USA aber denken bei dem Konflikt zuallererst an ihre Luftwaffenbasen. Das Verhalten beider Länder lässt sich nur als zynisch bezeichnen."
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