Der Standard - Österreich | Freitag, 16. Juli 2010
Kriminalität beschädigt italienische Kulturnation
Mit Wirtschaftsstaatssekretär Nicola Cosentino ist am Mittwoch als Folge eines Korruptionsskandals erneut ein Mitglied der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi zurückgetreten. Die Tageszeitung Der Standard bedauert die Entwicklung des Landes: "Es wird zunehmend schwieriger, die politische Situation in Italien zu beschreiben. Nach den gut anderthalb Jahrzehnten, in denen Silvio Berlusconi die Geschicke dieses Landes wie kaum ein anderer geprägt hat, sind alle journalistischen Steigerungsstufen ausgereizt. Die Empörung über Zustände, die außerhalb Italiens kaum noch jemand nachvollziehen kann, ist dem Erstaunen gewichen. Dem Erstaunen darüber, wie sehr Reformunfähigkeit, politischer Unernst, hartnäckige Realitätsverweigerung und mitunter schiere kriminelle Energie diese große, alte Kulturnation inzwischen verwüstet haben. ... Es wird protestiert, ja. Die italienische Zivilgesellschaft steht auf, ja. Aber nur, um sich danach wieder umgehend niederzusetzen. Das ist das Bedrohlichste und Bedrückendste an der Politiklosigkeit: Es gibt keine Konsequenzen - für niemanden und zu keiner Zeit."
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