Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Dienstag, 27. Juli 2010
Wikileaks ruiniert investigativen Journalismus
Wikileaks findet mit seinen Dokumenten zum Afghanistankrieg ein großes Medienecho. Dabei haben renommierte Zeitungen dieselben Fakten schon vor Jahren recherchiert und darüber berichtet, meint die konservative Neue Zürcher Zeitung. Ihre Erklärung dafür lautet: "Der Masochismus eines Berufsstandes, der auf seine eigenen Leistungen nicht viel gibt, und die einseitige Wahrnehmung der Öffentlichkeit erhalten durch Wikileaks eine neue Dimension. Seit je haben Mitarbeiter aus Rachsucht, Profitstreben oder echter Empörung über einen Missstand vertrauliche Dokumente ihres Arbeitgebers einer Zeitung zugespielt. Ohne diese 'Whistleblowers' wäre investigativer Journalismus nicht denkbar. Wikileaks potenziert nun dieses Phänomen. Die Plattform behauptet, sie habe in drei Jahren 1,2 Millionen Dokumente veröffentlicht - dies bedeutet, Wikileaks hätte jeden Tag mehr als 1000 Berichte erhalten, geprüft und publiziert. Man kann Zweifel haben, ob diese Zahlen stimmen, die Wirkung der Plattform lässt sich nicht bestreiten. Sie kehrt die mediale Rangordnung um: Nicht New York Times und Spiegel betreiben investigativen Journalismus, sondern sie drucken die investigativen Produkte Dritter."
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Alle verfügbaren Texte von » Eric Gujer
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