Frankfurter Rundschau - Deutschland | Dienstag, 27. Juli 2010
Stephan Hebel über Loveparade und Machbarkeitswahn
Die Tragödie auf der Duisburger Loveparade, bei der 20 Menschen starben, zeigt, unter welchem Konkurrenzdruck die Städte stehen, schreibt Stephan Hebel in der linksliberalen Frankfurter Rundschau: "Die Politiker in Duisburg müssen sich, befeuert vom Veranstalter, die Folgen einer gelungenen Loveparade in den schönsten Farben gemalt haben. Die alte Bergbau-Stadt, fast nur noch als Ort der Armut bekannt, wollte endlich wieder positive Nachrichten über sich selbst. Als Material sollten all die fröhlichen Raver dienen, mit deren Bildern man künftig werben würde. ... All das ist keine Duisburger Spezialität, und es ist keine Spezialität der 'öffentlichen Hand'. Aus allen Branchen hört man von Projekten, für die vor allem gilt: Scheitern verboten. Wir leben unter den Bedingungen einer beschleunigten Ökonomie und weltweiter Konkurrenz auch zwischen 'Standorten', also Städten und Regionen. Da gilt die Erkenntnis, dass ein Projekt menschliche Möglichkeiten und menschliches Maß übersteigt, oft nicht als souverän - was sie ist -, sondern als Schwäche. ... [Duisburgs Oberbürgermeister] Adolf Sauerland ist kein Zyniker, sicher trauert er ehrlich. Er hat nur funktioniert - als Teil einer Welt, in der das Diktat der Machbarkeit herrscht, auch wenn es blind macht. Er ist vielen von uns sehr ähnlich."
» zum ganzen Artikel (externer Link, deutsch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Musik, » Kulturpolitik, » Wirtschaftspolitik, » Deutschland
Alle verfügbaren Texte von » Stephan Hebel
» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 27. Juli 2010