Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Donnerstag, 26. August 2010
Kaliningrad tendiert zu Europa
In der russischen Exklave Kaliningrad haben am vergangenen Wochenende wieder Hunderte Demonstranten den Rücktritt von Premier Wladimir Putin und mehr Autonomie gefordert. Der regionale Aufruhr symbolisiert Kaliningrads Hang zu Europa, schreibt die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Seine geografische Lage ist dabei Dilemma und Chance zugleich. Denn die Rufe nach mehr Autonomie speisen sich aus dem Bewusstsein, an Russlands Peripherie zu liegen und doch zugleich mitten in der Europäischen Union. Eingeklemmt zwischen dem Meer und den EU-Staaten Litauen und Polen ist vielen Kaliningradern Europa näher als die eigene Hauptstadt. Das Lebensniveau in der Exklave liegt nach Jahrzehnten als sowjetische Sperrzone noch immer deutlich unter dem in vielen anderen russischen Gebieten. ... Europa ist also nah - und fern zugleich. Die Kontrolle an den Grenzen gestaltet sich mühsam, der Traum vom visafreien Reisen ins nahe Ausland blieb bislang unerfüllt, der Wohlstand jenseits der Grenzen unerreichbar. Den Moskauern fällt nichts ein, wie sie die Kaliningrader zufriedenstellen können."
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