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Die Welt - Deutschland | Donnerstag, 4. November 2010

André Glucksmann über Chodorkowskijs politische Visionen

Der Gründer des Ölkonzern Jukos Michail Chodorkowskij hat bei seinem letzten Gerichtsauftritt vor der Urteilsverkündung die russische Politik angeprangert. Ein Freispruch ist unwahrscheinlich, doch wäre dies ein positives Signal, meint der Philosoph André Glucksmann in der konservativen Tageszeitung die Welt: "Jeder muss sich fragen, warum der entehrte und ausgeplünderte Ex-Oligarch, der bereits ungerechtfertigterweise sieben Jahre in einem sibirischen Straflager verbracht hat, nicht freigelassen wird. Warum er nicht ins Exil ausreisen darf. Ein solches Vorgehen hätte Vorteile: Es würde ausländischen Investoren etwas Sicherheit geben. ... Die Gemengelage von undurchsichtigen politischen Skandalen und mysteriösen Attentaten lädt nicht dazu ein, dort Geschäfte zu machen. Er [Chodorkowski] war es, der vor zehn Jahren die Vision eines Russlands entwarf, das sich modernisiert und demokratisiert, indem es sich von seinen politisch-ökonomischen Mafias emanzipiert. Noch vor Kurzem mochten die Vorstellungen Michail Chodorkowskis in den Augen Moskaus verfrüht und verwegen, wenn nicht gar utopisch erscheinen. Heute hat der Wind gedreht, und man entdeckt langsam, was das wahre Risiko für das Land ist, nämlich Putin und seine triste Bilanz."

» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 4. November 2010

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