Pražský deník - Tschechien | Dienstag, 16. November 2010
Jiří Pehe über die tschechische Demokratie ohne Demokraten
Tschechien gedenkt am Mittwoch mit einem Staatsfeiertag des Beginns der Samtenen Revolution vor 21 Jahren. Der Politologe Jiří Pehe zieht in der liberalen Tageszeitung Pražský deník eine durchwachsene Bilanz: "Zu den Aktiva gehört die beispiellos schnelle Transformation der Institutionen. Das Land, in dem 1989 weder Demokratie noch Marktwirtschaft, Rechtsstaatlichkeit oder eine Zivilgesellschaft existierten, ist eine funktionierende Demokratie geworden. Zu den Schattenseiten gehört die politische Kultur. Demokratischen Geist zu erzeugen, kommt einem Langstreckenlauf gleich. Mit einem Zitat [des Gründers der Tschechoslowakei Tomáš Garrigue] Masaryk könnte man sagen, dass die tschechische Demokratie bislang leider mehr oder weniger eine 'Demokratie ohne Demokraten' ist. Das zeigt sich am niedrigen Niveau des politischen Diskurses oder an der Schwäche der Zivilgesellschaft. Dazu kommt das übertriebene Vertrauen in Wahlen. Ohne den Druck der Zivilgesellschaft bringen sie nicht die radikalen Reinigungen, auf die viele hoffen. Theoretiker sagen, es brauche bis zu drei Generationen, bis die demokratische Kultur Wurzeln schlägt. Demnach sind wir jetzt auf halbem Wege."
» weiterführende Informationen (externer Link, tschechisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Innenpolitik, » Geschichte, » Gesellschaft, » Tschechien
Alle verfügbaren Texte von » Jiří Pehe
» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 16. November 2010