La Repubblica - Italien | Mittwoch, 17. November 2010
Adriano Prosperi über fehlende Gerechtigkeit in Italien
Das Schwurgericht in der italienischen Stadt Brescia hat am Dienstag fünf wegen eines Bombenattentats Angeklagte aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Bei dem rechtsextremistischen Anschlag während einer Gewerkschaftskundgebung 1974 in Brescia waren acht Personen ums Leben gekommen und 103 Menschen verletzt worden. Mit dem Urteil gibt es 36 Jahre nach dem Blutbad noch immer keine Verantwortlichen dafür. Adriano Posperi kritisiert in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica die Unfähigkeit des Landes, Gerechtigkeit walten zu lassen: "Schuld an dem Bild Italiens, das wir alle vor Augen haben, ist das Fehlen von Gerechtigkeit. Notwendige Schritte zur Versöhnung der Italiener mit ihrem Land sind nicht unternommen worden. Große Worte wurden hingegen verschwendet, es war gar vom Aufbau eines kollektiven Gedächtnisses die Rede. Doch die Schönheitschirurgie irgendeines Zauberkünstlers kann die Falten und Brüche am Körper des Landes nicht heilen. Diese Brüche liegen viel tiefer. ... Während der Terroranschlag am Ground Zero die USA zusammengeschweißt und in ein Kriegsabenteuer gegen einen äußeren Feind geführt hat, ist in Italien genau das Gegenteil geschehen. Der Feind blieb im Inland verborgen und … mit diesem Urteil wird die juristische Wahrheitssuche ein für alle mal eingestellt."
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