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Der Standard - Österreich | Montag, 22. November 2010

Von Kehrtwende keine Spur

Die Äußerungen von Papst Benedikt XVI. zum Kondomgebrauch bedeuten keinesfalls eine Kehrtwende, schreibt die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "Wäre es dem Papst ein echtes Anliegen, als Kirchenoberhaupt eine gesellschaftspolitisch wichtige Rolle zu spielen, hätte er sich ernsthaft mit Geburtenkontrolle befasst. Dann hätte der Papst auch (macht)politisch klug gehandelt: Er hätte die katholische Kirche als politisch unabhängige, ohne materielle Eigeninteressen agierende Instanz in gesellschaftspolitischen Fragen ins Spiel gebracht. Doch Benedikts Kondom-Sager ist weder von solcher Substanz noch von solchem Weitblick getragen. Laut Kirchen-Insidern ist er primär als 'Akt der Nächstenliebe und der Güte' zu lesen. Das verstärkt den Eindruck, den man schon in der Missbrauchsdebatte vom Papst bekam: Da blickt einer von der Höhe seiner Position bestenfalls milde von oben herab auf irdische Sünder. Wenn ihm danach ist, offeriert er ein Quäntchen Vergebung, manchmal sogar für männliche Huren. Von einer Kehrtwende keine Spur."

» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 23. November 2010

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