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Corriere della Sera - Italien | Dienstag, 23. November 2010

Claudio Magris über das Theater als Grundlage für das Zusammenleben

Aus Protest gegen die Sparpolitik der italienischen Mitte-rechts-Regierung im Kulturbereich sind am Montag im ganzen Land Kinos, Theater und Konzerthäuser geschlossen geblieben. Claudio Magris verteidigt in der konservativen Tageszeitung Corriere della Sera die gesellschaftliche Rolle der Bühnenkunst: "Natürlich kann man auch ohne Theater leben und es gibt unmittelbar notwendigere und unentbehrlichere Güter. … Das Theater spielt jedoch seit Tausenden von Jahren eine tragende Rolle nicht nur in der Kunst, sondern auch im gemeinschaftlichen Leben der Polis, und somit in der Politik. Es ist eine Kunst, in der die einzigartige und unersetzliche Schöpferkraft des Individuums Eins wird mit der Gemeinschaft, die über sie hinausgeht, ohne sie zu demütigen, und die das Werk zu einem das Individuelle übersteigenden Werk werden lässt, zu einer zugleich persönlichen und kollektiven … Ausdrucksform. Sie tritt ihrerseits in einen Dialog nicht nur mit jedem einzelnen Individuum sondern mit der Gesellschaft und der Kultur, aus der sie entstanden ist und die sie interpretiert, um sie zu feiern oder auch zu kritisieren. Von den rituellen und religiösen Ursprüngen … bis zu Wagners Gesamtkunstwerk und Brechts epischer Form ist das Theater … ein öffentliches Ereignis und ein Grundstein des zivilen Zusammenlebens."

» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 23. November 2010

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