Corriere della Sera - Italien | Donnerstag, 2. Dezember 2010
André Glucksmann über den neuen Kalten Krieg um Korea
André Glucksmann sieht im aktuellen Korea-Konflikt den Kalten Krieg wiederaufleben. Nordkorea hält die Welt in Schach, meint der Philosoph in der liberal-konservativen Tageszeitung Corriere della Sera: "Selbst wenn man den Kalten Krieg ad acta gelegt hat, schürt die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen Angst. ... Pjöngjang brüstet sich mit einem Waffenarsenal, das für seine Nachbarn - Seoul in Reichweite, Tokio im Raketenradius - mehr als bedrohlich ist. Deshalb fühlt sich das Regime zur Erpressung und Bedrohung ermächtigt. ... Nukleare Aufrüstung und Totalitarismus gehen heute Hand in Hand. Weit mehr als ein prähistorisches Ungeheuer verkörpert Nordkorea den Albtraum einer Zukunft, die uns zu entgleiten droht. ... Dabei handelt ein 'kleiner' Atomstaat wie das kommunistische Nordkorea alles andere als allein. Er ist ein Handlanger, der von mehr als einem Herrn manipuliert wird. ... Das so 'weise' und produktive China nutzt den nordkoreanischen Agitator, um im gegebenen Fall auf indirekte Weise den Rest der Welt zu bedrohen und sich dann als das Land aufzuspielen, das zur Wiederherstellung von Frieden und Ordnung unverzichtbar ist. ... Die Verschmelzung von Atomwaffen und Totalitarismus sind heute wie gestern eine Bedrohung für das nackte Überleben der Menschheit."
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