Sme - Slowakei | Donnerstag, 27. Januar 2011
Luboš Palata über das Schweigen zu den Sudetendeutschen
In dieser Woche jährt sich der Beginn der organisierten Vertreibung der Sudetendeutschen aus der damaligen Tschechoslowakei zum 65. Mal. In Tschechien ist das aber kein Thema, beklagt der Prager Kommentator Luboš Palata in einem Gastbeitrag für die liberale slowakische Tageszeitung Sme: "Es gibt ein eigenartiges Schweigen um diesen Jahrestag. Am 25. Januar 1945 endete ein fast tausendjähriges Zusammenleben zweier Nationen. ... Wir blieben als Volk auf unserem Gebiet nahezu allein. Dem voraus ging nicht nur das Münchner Abkommen, der Verrat durch die Sudetendeutschen, sondern vor allem die nazistische Okkupation mit dem Ziel, die Tschechen teilweise auszuradieren. Die Reaktion der Tschechen war nahezu einhellig: sofortiges Ende des Zusammenlebens mit den Deutschen. ... Mit dem Bemühen, heute deutsche Massengräber zu öffnen und die Massaker aufzuklären, durchlaufen wir eine weitere nötige Katharsis. Wir kommen aber nicht um die Frage herum, ob die Abschiebung der Deutschen nötig war. Dass wir noch immer nicht bereit sind, diese Frage zu stellen, erklärt das heutige Schweigen."
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