Pražský deník - Tschechien | Freitag, 4. März 2011
Tschechen unfähig zur Liebe
In Tschechien sind im vergangenen Jahr so wenige Ehen wie noch nie zuvor geschlossen worden. Der nationalen Statistikbehörde zu Folge halten Ehen zudem nur rund zwölf Jahre, jede zweite Ehe wird geschieden. Für die liberale Tageszeitung Pražský deník eine bedauernswerte Tendenz: "Der Rückgang der Eheschließungen zeigt, wie sich unsere Prioritäten verändern. Wir streben nur noch nach lockeren Beziehungen. Keine Konventionen oder wirtschaftlichen Gründe zwingen uns zur Ehe. Ein Papier mit einem Stempel ist zudem keine Garantie, dass eine Beziehung auch hält. ... Hinter dem Unwillen, eine Familie zu gründen, verbergen sich Berechnung, der Unwille, zu teilen und die Unfähigkeit, zu lieben. Draufzahlen müssen vor allem die Kinder. Es geht aber auch die Solidarität zwischen den Generationen zurück. Der Egoismus nimmt zu, ebenso die Zahl der Ausgeschlossenen und Einsamen. Wir sind nicht mehr bereit, für den anderen zu leben, uns für ihn aufzuopfern, in guten wie in schlechten Zeiten füreinander da zu sein. Eine Gesellschaft, die auf Egoismus beruht, ist jedoch nicht frei, sondern fehlerhaft."
» weiterführende Informationen (externer Link, tschechisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Bevölkerungsentwicklung, » Gesellschaft, » Tschechien
Alle verfügbaren Texte von » Ivan Hoffman
» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 4. März 2011