Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Dienstag, 19. April 2011
Russland geizt bei Tschernobyl-Hilfe
Eine internationale Geberkonferenz hat am Dienstag in der ukrainischen Hauptstadt Kiew 550 Millionen Euro für die Beseitigung der Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl bewilligt. Dabei zeigt sich Russland als Nachfolgestaat der Sowjetunion auffällig geizig, kritisiert die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Russland hat sich immer dann gern als Nachfolger der Sowjetunion präsentiert, wenn ihm dabei Instrumente der Macht in den Schoß fielen; der Status als Atomwaffenstaat, das Vetorecht im UN-Sicherheitsrat. Tschernobyl aber ist ein leidiger Giftkübel, der weder Ruhm abwirft noch Einfluss. Und doch ist es eine Altlast der Sowjetepoche, ein Mahnmal auch aus der Moskauer Vergangenheit. Am fehlenden Geld allein kann Russlands neue Sparsamkeit nicht liegen. Als gäbe es kein Morgen, mutet sich das Land die Fußballweltmeisterschaft zu, die Winterspiele von Sotschi, übernimmt Russland von Japan spontan die Eiskunstlauf-WM und investiert in die Patriotismus-Branchen Rüstung und Raumfahrt. Das aber übersieht Moskau: Tschernobyl liegt zwar in der Ukraine, aber sein neuer Sarkophag schützt ganz Europa. Und Russland noch dazu."
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