El País - Spanien | Montag, 20. Juni 2011
Timothy Garton Ash: Merkels Europapolitik schadet den Deutschen
Die deutsche Bundeskanzlerin muss ihre Strategie ändern, wenn sie ein Auseinanderbrechen des Euro-Raums noch verhindern will, meint Timothy Garton Ash in der linksliberalen Tageszeitung El País: "Seit mehr als einem Jahr versucht Angela Merkel die dünne, vielleicht nicht existierende Linie zu finden zwischen dem Minimum, das notwendig ist, um die angstvolle Peripherie der Euro-Zone zu retten, und dem Maximum, das ihrer Meinung nach die öffentliche Meinung in Deutschland zu ertragen bereit ist. Sie hat versucht, ihre Bündnispartner im Euro-Raum davon zu überzeugen, dasselbe zu tun. Bislang ohne Erfolg. Jetzt muss sie mit dem anderen Extrem beginnen: Zusammen mit der Europäischen Zentralbank herausfinden, welches der beste und glaubwürdigste Pakt ist, und danach ihre gesamte Autorität dazu einsetzen, die zögerlichen Deutschen davon zu überzeugen, dass diese Strategie langfristig den nationalen Interessen ihres Landes dient. Denn das ist sicher: Niemand hat bei einem Auseinanderbrechen des Euro-Raums mehr zu verlieren als die zentrale Wirtschaftsmacht des Kontinents. Es könnte allerdings bereits zu spät sein."
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