Il Sole 24 Ore - Italien | Dienstag, 21. Juni 2011
Kurzer Prozess mit Tunesiens Diktator
Fünf Monate nach seiner Flucht ins Exil ist der tunesische Ex-Diktator Zine el-Abidine Ben Ali am Montag in Abwesenheit zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Auch der Westen hätte vor Gericht stehen dürfen, der allzu rasch seine Hände in Unschuld gewaschen hat, findet die Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore: "Die Zeit der Habgier der arabischen Autokraten ist vorüber, doch geht die Rechnung nicht auf. Einen Prozess gegen Ben Ali anzustrengen ist Pflicht. Doch der Abgang von Führern wie Ben Ali in Tunesien und Mubarak in Ägypten enthüllte auch dunkle Machenschaften zwischen dem Westen und Nordafrika. Er deckte peinliche Beziehungen zwischen Europas politischen Eliten und den Diktatoren auf. Die Prozesse könnten auch für das nördliche Ufer des Mittelmeers von einer gewissen Bedeutung sein, das sich allzu schnell von der 'Liaison' mit den Machthabern frei gesprochen hat. Es war ein deprimierend kurzer Prozess mit einer kompromittierenden Vergangenheit, wohl in der Hoffnung, dass die Zukunft keine allzu große Ungewissheit bringt."
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