Handelsblatt - Deutschland | Dienstag, 21. Juni 2011
Jürgen Habermas fordert europäisch denkende Medien
Um die Griechenland-Krise erfolgreich zu bewältigen, muss Europa seine Bürger stärker an den politischen Entscheidungen beteiligen, meint der Philosoph Jürgen Habermas im wirtschaftsliberalen Handelsblatt. Doch dazu fehlt ein gemeinsamer Kommunikationsraum: "Dieser Raum müsste im Zuge einer gegenseitigen Öffnung der nationalen Öffentlichkeiten füreinander entstehen. Dafür brauchen wir keine anderen Medien, sondern eine andere Praxis der bestehenden. Sie müssten die europäischen Themen nicht nur als solche behandeln, sondern gleichzeitig über die politischen Stellungnahmen und Kontroversen berichten, die dieselben Themen in anderen Mitgliedstaaten auslösen. Da die Europäische Union bisher von den politischen Eliten getragen worden ist, besteht aber bis heute eine gefährliche Asymmetrie zwischen der demokratischen Teilnahme der Völker an dem, was ihre Regierungen auf der subjektiv entfernten Brüsseler Szene für sie selbst 'herausholen', und der Indifferenz, ja Teilnahmslosigkeit der Unionsbürger im Hinblick auf die Entscheidungen ihres Parlaments in Straßburg. ... Je mehr ... von den Medien zu Bewusstsein gebracht wird, wie tief die Entscheidungen der EU in ihren Alltag eingreifen, umso mehr wird ihr Interesse zunehmen, auch als Unionsbürger von ihren demokratischen Rechten Gebrauch zu machen."
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