Večer - Slowenien | Freitag, 24. Juni 2011
Slowenien feiert wehmütig Unabhängigkeit
Slowenien feiert am 25. Juni sein 20-jähriges Bestehen als unabhängiger Staat. Die konservative Tageszeitung Večer zieht eine kritische Bilanz: "Vor 20 Jahren erschienen in Slowenien sehr freigeistige Zeitschriften und Publikationen, die weder Zensur noch Gerichtsverfahren scheuten. Der Menschenrechtsausschuss wurde gegründet, die Zivilgesellschaft erzwang Weihnachtsfeiern, Homosexuelle organisierten einen Weltkongress in Ljubljana. Vor 20 Jahren hatte Slowenien also noch einen Charakter, heute ist davon aber nicht mehr viel übrig. ... Was ist schief gelaufen? Möglich sind einige Antworten. ... Es war nicht wichtig, wie diese Demokratie gestaltet sein würde. Die Hauptsache war, dass wir einen eigenen Staat hatten. Die Folge waren die sogenannten Ausgelöschten, als die Bürokratie jugoslawische Staatsbürger aus dem Bevölkerungsregister strich, die noch heute ungeklärte Waffenschmuggelaffäre, die Entschädigungen für nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlichte Güter, wovon vor allem die Kirche profitierte und schließlich der durch Privatisierungen verspielte Staatsbesitz. Auch wegen der Krise feiern wir das 20. Jubiläum Sloweniens mit etwas Wehmut. Schade."
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