Delo - Slowenien | Freitag, 1. Juli 2011
Joschka Fischer über die drohende Renationalisierung Europas
Die Finanzkrise in Europa lässt sich nicht lösen, ohne die politische Krise der EU zu beheben, meint der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer in der slowenische Tageszeitung Delo und warnt vor einer Renationalisierung des Kontinents: "Ohne dass die existenzbedrohende politische Krise der EU beantwortet wird, wird die europäische Finanzkrise sich weiter voran fressen und die EU destabilisieren. Im Zentrum der politischen Krise steht die Gewissheit, dass der Euro und damit die EU als Ganzes ohne politische Union nicht überleben werden. Entweder will man den Euro erhalten und muss sich dann schleunigst auf den Weg in die politische Union machen, oder man wird den Euro und die europäische Integration nolens volens rückabwickeln. Europa würde dann nahezu alles verlieren, was es an Integrationsfortschritten über ein halbes Jahrhundert hinweg erreicht hat, und sich in ein Europa der Renationalisierung zurückentwickeln. Dies wäre angesichts der entstehenden neuen Weltordnung schlicht eine Tragödie für uns Europäer."
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