România Liberă - Rumänien | Mittwoch, 27. Juli 2011
Cristian Ghinea fordert weniger Beachtung für Attentäter von Oslo
Nach den Anschlägen von Norwegen richtet die Gesellschaft ihre Aufmerksamkeit zu stark auf den Täter und dessen Beweggründe, gibt der Kulturjournalist Cristian Ghinea in der Tageszeitung România Liberă zu bedenken: "Das ist genau das, was der Täter wollte: Dass wir wissen wollen, wer er ist, woher er kommt, was er denkt. Er wollte uns mit seinen verrückten Ideen benebeln, in der Hoffnung, dass viele von uns diese ernst nehmen. Es liegt in der menschlichen Natur, dass man solch ein Verbrechen nicht als Zufall abtun will. ... Dass ein Mensch auf einer Insel willkürlich Menschen erschießt, ist so schrecklich, dass wir den Sinn davon verstehen wollen. Dass es hier um einen Psychopathen geht, reicht uns nicht. Wir müssen ihn verstehen. Das schaffen wir niemals. Doch wir verspüren die Pflicht, es zu tun. ... Es ist ein Teufelskreis, der schrecklich perfekt ist: Wir könnten nur entkommen, wenn wir das Grauen banalisieren. ... Das aber wäre unmenschlich. Um menschlich zu bleiben, müssen wir versuchen, dem Grauen einen Sinn zu geben. Und von dieser Aufmerksamkeit werden Psychopathen auch in Zukunft profitieren: Sie wissen, dass wir menschlich bleiben wollen."
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