Le Nouvel Observateur - Frankreich | Dienstag, 9. August 2011
Laurent Joffrin über die Zerstörungskraft des Liberalismus
Nachdem die liberalen Dogmen weltweit bereits die soziale Ungerechtigkeit verschärft haben, zerstören sie nun das westliche Wirtschaftsmodell, schreibt der Publizist Laurent Joffrin im linksliberalen Wochenmagazin Le Nouvel Observateur: "Da die Banken ihre rein spekulativen Aufgaben nicht von ihrer Funktion als Kreditgeber getrennt haben, sind nun erneut die Anlagen der Sparer bedroht, was ein ungezügeltes Panikgefühl verbreitet. Da keine gerechtere Einkommenspolitik eingeführt wurde, die diesmal den Mittelstand und nicht nur eine kleine Milliardärs-Elite begünstigt, verliert das Wachstum aufgrund einer vorhersehbaren Nachfrageflaute seinen Schwung. Da das Steuersystem vor allem in der angelsächsischen Welt nicht reformiert wurde, wachsen Zweifel an der Fähigkeit der Staaten, die enormen Schulden zurückzuzahlen, die zur Rettung des Finanzsystems und zur Ankurbelung der Wirtschaft angehäuft wurden. Die Gläubiger fürchten, dass sie ihr Geld nicht zurückbekommen. Die Aktionäre greifen einer neuen Rezession vor: Die Börsen verfallen in einen chaotischen Rhythmus und leisten somit der von allen befürchteten weiteren Stagnation der Wirtschaft Vorschub. Die liberalen Dogmen hatten bereits zu einer massiven Ungerechtigkeit geführt. Nun zerstören sie die westlichen Volkswirtschaften."
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