Die Presse - Österreich | Montag, 19. September 2011
Türkei rächt sich an EU
Der türkische Vize-Premier Beşir Atalay hat am Sonntag angekündigt, dass Ankara die Beziehungen zur EU einfriert, falls Zypern tatsächlich Mitte nächsten Jahres die EU-Präsidentschaft übernimmt. Das war absehbar, meint die liberal-konservative Tageszeitung Die Presse: "Im drohenden Konflikt mit der immer selbstbewusster - ja dominant - auftretenden türkischen Regierung rächt sich auch die bisherige Politik der EU. In der Türkei hat man verstanden, entgegen jahrzehntelanger anders lautender Versprechen in der Union nicht wirklich willkommen zu sein. Wenn mein Partner kein ehrliches Spiel mit mir spielt, ist Wohlverhalten ohnehin sinnlos, lautet offenbar die Analyse in Ankara. Zudem war absehbar, dass Zyperns Aufnahme in die EU ohne Friedensabkommen für die geteilte Insel zu Problemen mit der Türkei führen wird. Die Union kann es sich kaum leisten, einen wichtigen Partner wie die Türkei zu verlieren. Doch in Ankara sollte man sich auch klar werden, dass man sich mit rüdem Verhalten rasch in die Isolation manövriert - selbst wenn man eine bedeutende Regionalmacht ist."
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