Corriere della Sera - Italien | Montag, 19. September 2011
Strauss-Kahn gesteht moralischen Fehler ein
Der Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds Dominique Strauss-Kahn hat sich am Sonntag erstmals öffentlich zu den Vergewaltigungsvorwürfen des New Yorker Zimmermädchens geäußert. In einem Interview des Fernsehsenders TF1 gestand der 62-Jährige moralisches Fehlverhalten ein. Die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera lobt die öffentliche Abbitte: "Statt sich in Schweigen zu hüllen und dem Rampenlicht fernzubleiben, verteidigt sich Dominique Strauss-Kahn mit denselben Mitteln, die ihn ruiniert haben: mit Fernsehkameras. Als Mann der Öffentlichkeit hat er erkannt, dass jeglicher Versuch, den Skandal als private Angelegenheit herunterzuspielen, grotesk und lächerlich gewesen wäre. ... Er hat den Anstand, weder in die Rolle des Rufmord-Opfers zu schlüpfen noch Phantasien eines politischen oder richterlichen Komplotts zu seinem Schaden zu schüren. ... Dabei scheint er auch sich selbst um Verzeihung zu bitten, für die enorme Verschwendung eines Talents und dafür, dass er die Gelegenheit, die ihm die Geschichte auf einem silbernen Tablett präsentierte, verspielt hat. Er war einer der mächtigsten Männer der Welt. Nun ist er fast nichts mehr. Denn die öffentliche Meinung kennt kein Verzeihen."
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