Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung - Deutschland | Sonntag, 9. Oktober 2011
Frank Schirrmacher über die unheimliche Macht staatlicher Trojaner
Hacker des Chaos Computer Clubs haben nach eigenen Angaben herausgefunden, dass staatliche Überwachungssoftware mehr kann, als die Verfassung erlaubt. Der sogenannte Bundestrojaner könne auf infiltrierten Computern Software nachladen und sogar Dateien verändern. Diese Enttarnung ist eine gewaltige Zäsur, meint der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frank Schirrmacher, in der Sonntagsausgabe des konservativen Blatts: "Die gefundene Software kann offenbar immer alles. Es ist nur die Frage, was man in ihr anschaltet oder abschaltet. Nur die Funktion, die ihr das ermöglicht, ist getarnt - die Programmierer wussten also, dass nicht in Ordnung war, was sie taten. Wer wusste es noch? Und wer kann den Maschinen-Text verstehen, der das verrät? ... Alle diese Fragen sind unbeantwortet. Nicht nur Menschen und Branchen revolutionieren durch das Netz ihre Architektur. Wir sehen jetzt: Der Staat selbst tut es. Von der Frage, wie er Code und Gesetz in Einklang bringt, hängt die Freiheit des Einzelnen ab. Jetzt, seit dem Erfolg der Piratenpartei, besteht die Chance, dass diese Aufgabe zum Gegenstand von Realpolitik wird. Dazu aber ist es nötig zu erkennen, dass die neue Welt nicht nur schön ist und neu, sondern das Zeug dazu hat, den Staat zum Ungeheuer zu machen."
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