Die Presse - Österreich | Montag, 14. November 2011
Expertenregierung abhängig von Populisten
In Rom wie in Athen sind Experten an die Macht gelangt. Sie haben zwar das Wissen für ihre Aufgabe, aber keine Chance gegen die lauernden Populisten, meint die liberal-konservative Tageszeitung Die Presse: "Es wird ein interessantes Experiment. Die Krise spült jetzt sowohl in Griechenland wie auch in Italien Leute an die Spitze von Übergangsregierungen, die in 'normalen' Wahlkämpfen eher keine Chancen hätten: kühle Technokraten ohne großes Charisma. Leute mit finanzpolitischem Sachverstand, die wissen, was jetzt zu tun ist. Denen aber die politische Hausmacht fehlt. Die populistenfreie 'Expertenregierung', die Ex-EU-Kommissar Mario Monti, ein Wirtschaftsprofessor aus Mailand, jetzt wohl auf die Beine stellt, wird also nicht unbeträchtlich vom Wohlwollen der strippenziehenden politischen Schwergewichte im Hintergrund abhängig sein. ... Das italienische Sanierungsexperiment wird also genau so lange funktionieren, bis einer der im Hintergrund mitmischenden Populisten die Chance sieht, aus der mit Sicherheit wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung politisches Kleingeld zu schlagen."
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