Le Soir - Belgien | Freitag, 25. November 2011
Belgien im Vorhof zur Hölle
Da die Zinsen auf belgische Staatsanleihen inzwischen bei 5,5 Prozent liegen und vermutlich weiter steigen, hat die belgische Übergangsregierung die Bürger zum Kauf der Papiere aufgerufen. Die linksliberale Tageszeitung Le Soir sieht darin ein böses Vorzeichen: "Das Nationalgefühl und die darin resultierenden gegenseitigen Anschuldigungen nehmen zu und rufen sehr schlechte Erinnerungen wach. Vergleiche hinken immer ein wenig, aber dennoch: 1928 und dann 1929 war der Abzug des US-amerikanischen Kapitals der entscheidende Faktor für die Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik und die gesamte Hölle, die darauf folgte. … Während es Europa nicht gelingt, sich auf das Projekt der Euro-Bonds zu einigen - eine mögliche Lösung, um der Krise Einhalt zu gebieten - müssen wir nun hinnehmen, dass es auf den patriotischen Kauf von Anleihen hinausläuft. Sind wir etwa schon wieder so weit, dass wir ein Konzept brauchen, mit dem schon mehr als nur ein Krieg finanziert wurde? Das ist eine ziemlich düstere Allegorie der Situation, in die sich unser Europa da verrannt hat."
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