The Guardian - Großbritannien | Dienstag, 29. November 2011
Ulrich Beck fordert weniger deutschen Nationalismus bei Euro-Rettung
Mit der Euro-Krise erhält Europa die Chance, sich vom Europa der Bürokraten zu einer Demokratie unter Nachbarstaaten zu entwickeln, erläutert der Soziologe Ulrich Beck in der linksliberalen Tageszeitung The Guardian: "Wir sollten die direkte Demokratie nicht fürchten. Ohne die länderübergreifende Gelegenheit zu Eingriffen von unten, ohne europäische Volksabstimmungen zu europäischen Themen, die dazu führt, dass ein Zittern durch den Ozeandampfer Europa geht, wird das Konstrukt zusammenbrechen. Warum nicht den Präsidenten der Europäischen Kommission direkt und am selben Tag von allen europäischen Bürgern wählen lassen, was die erste echte europäische Handlung überhaupt wäre? ... Wie ist eine europäische Demokratie möglich, ohne den nationalen Parlamenten das Wahlrecht zu entziehen? Wenn wir annehmen, dass die Einführung demokratischer Rechte auf vielen Wegen möglich ist: Kann die demokratische Ermächtigung eines kosmopolitischen Europas Hand in Hand gehen mit der Stärkung der nationalen Demokratien in seinen Mitgliedstaaten? Die Antwort muss sein, dass dieses neue Europa nicht dem Modell des deutschen Euro-Nationalismus folgt, sondern als neue europäische Gemeinschaft von Demokratien entsteht. Und eine gemeinsame Regierung intensiviert Macht und Demokratie."
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