Der Standard - Österreich | Montag, 19. Dezember 2011
Ägyptens Militär begräbt die Demokratie
Bei Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten in Kairo am Wochenende hat ein Brandsatz auch das Institut für Wissenschaftliche Studien getroffen und eine große Zahl historischer Manuskripte aus der Zeit Napoleon Bonapartes zerstört. Für die linksliberale Tageszeitung Der Standard ist das ein Menetekel: "Die Ankunft Napoleons in Ägypten wird gemeinhin als 'Beginn der Moderne' apostrophiert. 2011 sollte das Jahr werden, in dem das Land seine Postkolonialzeit endlich überwindet und in die politische Moderne eintritt. Das scheint in weite Ferne gerückt. Die Militärjunta reagiert genau so, wie es das Regime Mubarak immer getan hat: Sie lügt und leugnet. Der Unterschied ist, dass jetzt nicht mehr die Polizei, sondern die gute, patriotische Armee auf die Demonstranten losgeschickt wird, die nur, weil sie Hosni Mubarak in Pension schickte, naiverweise als auf der Seite der Revolution stehend betrachtet wurde. Und inmitten dieses Zusammenbruchs finden die ersten Wahlen statt. Was ein Fest der Demokratie werden sollte, wird zum Begräbnis."
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