Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Freitag, 23. Dezember 2011
Maßlosigkeit auf beiden Seiten
Die Türkei ist einerseits nicht reif für den EU-Beitritt, meint die linksliberale Süddeutsche Zeitung, andererseits fordert sie Frankreich auf, das französische Genozid-Gesetz zurückzuziehen: "Viele Türken sind bereit für einen Beitritt zur Europäischen Union. Die Regierung von Tayyip Erdogan ist es nicht. Ihre maßlosen Drohungen gegen Frankreich, das die Leugnung von Völkermord unter Strafe stellt, lassen ahnen, was sie in der EU anrichten könnte. Sie würde die Union zur Geisel ihres Nationalismus machen. Ein Land, das seine Geschichte verdrängt, ist ein Sprengsatz. Die Türkei zu kritisieren, bedeutet nicht, Frankreich wegen seines Genozid-Gesetzes zu loben. ... Frankreich hat den Völkermord an den Armeniern schon im Jahr 2001 per Gesetz anerkannt. Das ist gut und genug. Wenn es jetzt jeden, der diesen Genozid bezweifelt, mit Gefängnis bedroht, ist das ein Exzess. ... Frankreich sollte sein Gesetz zurückziehen - und die Türkei sollte sich endlich türkischer Verantwortung und Schuld stellen."
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