Der Standard - Österreich | Donnerstag, 19. Januar 2012
Burschenschafter-Ball kein Unesco-Erbe
Die UN-Kulturorganisation Unesco führt seit 2010 die Wiener Bälle auf der Liste des immateriellen Kulturerbes in Österreich. Jetzt prüft die Organisation die Entscheidung, weil auch die umstrittene Veranstaltung des rechtslastigen Wiener Korporationsrings, der sogenannte Burschenschafter-Ball, als offizieller Teil der Ballsaison im Unesco-Kalender erscheint. Die linksliberale Tageszeitung Der Standard hält eine Revision für dringend nötig: "Nicht alles, was gut gemeint ist, kommt auch gut. Der erhoffte Werbeeffekt für die Tourismuswirtschaft wird wohl ausbleiben - stattdessen muss man fürchten, dass Österreich in der Welt als Hort der Unbelehrbaren dasteht. Und die Unesco sah auch schon einmal besser in ihren Beurteilungen aus. Immerhin definiert sie immaterielles Kulturerbe so, dass es 'von einer Generation an die nächste weitergegeben, fortwährend neu gestaltet wird' und 'den Gemeinschaften ein Gefühl von Identität und Kontinuität' vermittelt. Man könnte hinzufügen: Offenbar ist es egal, ob Ballgäste am Verbotsgesetz entlangschrammen, Hauptsache, sie kleiden sich gut und können Walzer tanzen."
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