Top-Thema vom Donnerstag, 22. März 2012
Islamismus und Islam trennen

Muslime in Frankreich betonen die Friedfertigkeit des Islam. (© AP/dapd)
Französische Spezialeinheiten haben nach mehr als 30 Stunden Belagerung die Wohnung des mutmaßlichen Attentäters von Toulouse am Donnerstagvormittag gestürmt. Dabei ist der Verdächtige umgekommen, der sich selbst als Islamist bezeichnete. Der Islam trägt aber keine Schuld an den Taten eines Fanatikers, meinen Kommentatoren und heben die Ähnlichkeiten zwischen Islamismus und Rechtsextremismus hervor.
Pražský deník - TschechienFanatismus leitet die Mörder, nicht Religion
Der mutmaßliche Todesschütze von Toulouse, Mohamed Merah, hat sich als Islamist ausgegeben. Das sollte nach Meinung der liberalen Tageszeitung Pražský deník aber kein Grund sein, erneut den Islam zu verdammen, denn mutmaßliche Mörder wie Merah sind in erster Linie Fanatiker: "Die Öffentlichkeit neigt in spontaner Reaktion auf solche Ereignisse immer dazu, mit dem Mörder auch den Glauben zu verurteilen, in deren Namen er mordet. … Dabei wird vergessen, dass der Mörder im Widerspruch zu seiner Religion handelt. Schließlich mordet auch die übergroße Mehrheit seiner Glaubensbrüder nicht. Es ist weder die geistliche Orientierung noch die Weltanschauung, die hinter solchen Terrortaten steht, es ist vielmehr Fanatismus. Nicht alle Fanatiker morden, aber alle vergiften ihre Umwelt. Sie sind intolerant, nötigen anderen ihre Meinung auf, handeln gezielt, eitel und arrogant. Vor solchen Leuten mögen uns Allah, Jesus, Buddha und alle gesellschaftlichen Kräfte schützen." (22.03.2012)
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Alle verfügbaren Texte von » Ivan Hoffman
La Stampa - ItalienIslamismus ergänzt Rechtsextremismus
Erst wurde ein rechtsextremer Hintergrund bei der Mordserie von Toulouse vermutet, nun scheint es ein islamistischer Attentäter zu sein. Die beiden Extreme haben eben viel gemein, meint die liberale Tageszeitung La Stampa: "Den Abgründen von Toulouse ist am Ende ein verrückter Anhänger Allahs entstiegen. Kein rechtsextremistischer Fallschirmspringer, der das braune Gespenst der französische Geschichte hütet, sondern ein Soldat der täglichen Intifada, die in den Vorstädten wütet. Wie ist es möglich, dass auf der Suche nach einer Erklärung für die beiden Massaker zwei so verschiedene, wenn nicht gar entgegengesetzte Welten als möglicher Ursprung in Erwägung gezogen wurden? Beide sind gleichermaßen plausibel. Der islamistische Terrorist und der Neonazi gehören dem Untergrund unserer Gesellschaft an. Zwei grundverschiedene Albträume, die friedlich nebeneinander leben, ohne sich zu begegnen. Und wenn doch stärken sie sich sogar gegenseitig. Es sind zwei Albträume, die sich ergänzen." (22.03.2012)
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Alle verfügbaren Texte von » Cesare Martinetti
Le Soir - BelgienZusammenleben der Kulturen klären
Um Mordtaten wie die in Toulouse zu vermeiden, muss dringend eine Auseinandersetzung über die Bedingungen des Zusammenlebens verschiedener Kulturen und Religionen geführt werden, fordert die linksliberale Tageszeitung Le Soir: "Egal ob es sich um einen Einzeltäter handelt oder nicht, ob er verrückt ist oder nicht - die Morde werfen die dringende Frage auf, wie wir Zusammenleben. Sie stellt sich insbesondere den arabischen und muslimischen Gemeinschaften, die unter den Untaten ihrer abgerutschten Mitglieder leiden. Das ist vielleicht die einzige positive Folge dieser Ereignisse, die zeigen, dass Gemäßigte und Demokraten aller politischen Richtungen nur gemeinsam wirksame Antworten geben können. Angesichts dieser tödlichen und spaltenden Tat ist es nun wichtiger denn je, Brücken zu bauen und ein starkes Netz zu spannen, das die Verzweifelten auffängt." (22.03.2012)
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Alle verfügbaren Texte von » Béatrice Delvaux
Neue Zürcher Zeitung - SchweizInternationaler Dschihad ändert die Strategie
Die Morde in Südfrankreich zeigen, dass der internationale Dschihad seine Strategie verändert und mehr auf terroristische Einzelkämpfer setzt, meint die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung: "Die Kaida ist geschwächt und vermag keine Attentate mehr zu begehen, die wie der Angriff auf die New Yorker Twin Towers von wahrhaft globaler Dimension sind. ... Zugleich rückt eine Vorgehensweise in den Mittelpunkt, die früher nur eine unter mehreren war. Die Kaida und andere Gruppen ermutigen ihre Rekruten, heimzukehren und dann eigenständig zu handeln. Die Hauptsorge der Behörden ist daher nicht eine Wiederholung des 11. Septembers. Wahrscheinlicher sind kleinere, unkoordinierte Mordaktionen in einer Grauzone zwischen organisiertem Terrorismus und den Verzweiflungstaten psychisch labiler Einzeltäter. Toulouse zeigt, dass solche Anschläge in ihren Auswirkungen zwar begrenzter sind, aber dennoch ein ganzes Land in einen Schockzustand versetzen können." (22.03.2012)
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Alle verfügbaren Texte von » Eric Gujer
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