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Medienlandschaft in Estland
Während der Sowjetherrschaft gab es in Estland jahrzehntelang keine freie Presse, doch konnten die Menschen zumindest im Norden des Landes finnisches Fernsehen empfangen. Damit waren sie deutlich besser informiert als die meisten übrigen Sowjetbürger. Während der Glasnost-Periode ab 1986 entwickelte sich rasch eine erstaunlich wache und vielseitige Medienlandschaft. Alte Traditionszeitungen wie Postimees wurden wiederbelebt, andere Zeitungen wurden neu gegründet, außerdem wurde die staatliche Rundfunkanstalt Eesti Rahvusringhääling (ERR) gründlich reformiert.

Foto: Brunswyk, Lizenz: Creative Commons by-sa/3.0
Nach der Unabhängigkeit 1990/91 kam es vor allem auf dem Zeitungsmarkt zu zahlreichen Neugründungen und Zusammenschlüssen, deren Prozess bis heute nicht endgültig abgeschlossen ist. Der Markt wird heute von den drei großen Tageszeitungen Postimees, Õhtuleht und Eesti Päevaleht dominiert. Außerdem gibt es Wochenzeitungen wie Maaleht und Eesti Ekspress, Wirtschaftszeitungen wie Äripäev sowie eine Reihe kleinerer Regionalblätter.
Estland setzte in den 1990er Jahren konsequent auf den Ausbau des Internets, weshalb den Onlinemedien heute eine besonders wichtige Rolle zukommt, während die Printmedien an Boden verloren haben. Das führende Internetportal ist Delfi, das inzwischen auch nach Lettland, Litauen und in die Ukraine expandiert ist. Bei Delfi sowie den Onlineausgaben von Tageszeitungen sind auch Blogs angegliedert, deren Bedeutung für die öffentliche Debatte jedoch insgesamt eher gering ist.
Delfi gehört zu demselben Konzern wie Eesti Päevaleht, Maaleht, Eesti Ekspress und Õhtuleht. Dem steht die von Norwegern kontrollierte Postimees-Gruppe gegenüber. Diese hohe Konzentration gerät immer wieder in die Kritik, da den Medien vorgeworfen wird, die Interessen ihrer Besitzer zu vertreten. Außerdem fürchten viele Esten, dass Angehörige der russischen Minderheit in Estland durch russische Staatsmedien beeinflusst und gegen den Staat Estland instrumentalisiert werden. Dem soll durch ein größeres russischsprachiges Angebot durch private wie staatliche estnische Medien begegnet werden.
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