Bereichsmenü: Home
Home / Medienlandschaften / Hintergrund
Medienlandschaft in der Slowakei
Die Slowakei mit nur rund fünf Millionen Einwohnern hat eine im Vergleich zu Tschechien kleine Medienlandschaft. Das wird vor allem bei den Qualitätszeitungen deutlich, von denen es nur drei gibt (Sme, Pravda und Hospodářské noviny). Doch diese Zeitungen spielen in der Tagespolitik eine wichtige Rolle, waren sie doch vor allem kritische Begleiter der links-nationalistischen Regierungen unter Vladimír Mečiar und Robert Fico gewesen.

Foto: lipeamie, Lizenz: Creative Commons by-nc-sa/2.0
Vergleichsweise leicht hatten es erwähnte Regierungen mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen STV und dem Radio-Pendant SRo, die stets die Regierungspolitik gut hießen. Die beiden privaten Fernsehanstalten Markíza und JOJ werden deutlich häufiger als STV gesehen und bedienen sich des Boulevardstils. Hinzu kommt der private Nachrichtenkanal TA 3.
Die von der Auflage her stärkste Qualitätszeitung ist die Pravda, das frühere kommunistische Zentralorgan im slowakischen Landesteil der Tschechoslowakei. Das Blatt ist weiterhin links orientiert und bei allen Altersgruppen angesehen. Knapp hinter der Pravda rangiert Sme, die als Smena vor 1989 die Zeitung des kommunistischen Jugendverbandes gewesen war. Das Blatt ist liberal ausgerichtet und wird vor allem bei einem jüngeren Publikum und in der Hauptstadt Bratislava geschätzt.
Smena ist von Meciar 1992 über einen von ihm eingesetzten Chefredakteur auf "politische Linie” gebracht worden, was die Leser scharenweise abwandern ließ. Ein Teil der Redaktion gründete daraufhin die Zeitung Sme, die die früheren Smena-Leser auffing.1995 fusionierten beide Blätter dann und es blieb der Name Sme. Für die mit zehn Prozent der Bevölkerung große ungarische Minderheit in der Slowakei erscheint zudem die ungarnsprachige Tageszeitung Új Szó. Die am häufigsten gekaufte Zeitung ist das Boulevardblatt Nový Čas.
Seit 2006 gibt es mit aktualne.sk eine reine Internetzeitung. Die stärkste Position bei den Internetausgaben der Zeitungen hat die Sme. Hier findet man auch die meisten Blogger der Landes vereint. Die Sme ist auch die einzige Zeitung, die Videokommentare produziert.
Für erhebliche Turbulenzen sorgte 2008 das neue Pressegesetz und vor allem das darin verankerte Recht auf Gegendarstellung. Das Gesetz wurde von der Regierung Fico durchgesetzt, um der "Verbreitung von Medienlügen" entgegenzuwirken und stieß bei den Herausgebern aber auch bei internationalen Organisationen auf heftige Kritik. Die Befürchtung, dass das Recht auf Gegendarstellung vor allem von Mitgliedern der Regierung ausgenutzt werden könnte, um jeden kritischen Zeitungsbeitrag zu konterkarieren, erfüllte sich jedoch bis auf wenige Ausnahmen nicht. Unter der derzeitigen bürgerlichen Regierung unter Premierministerin Iveta Radičová können die Medien frei arbeiten.
Medien aus diesem Land bei euro|topics
© Bundeszentrale für politische Bildung