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Presseschau | 02.02.2012

 

TOP-THEMA

Facebook drängt an die Börse

Facebook-Gründer Zuckerberg plant einen Emissionserlös von 5 Milliarden Dollar. (© AP)

 

Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook hat am Mittwoch die Unterlagen für den geplanten Börsengang an der Wall Street eingereicht, ein genauer Termin steht noch nicht fest. Als börsennotierter Konzern muss die Weltmacht Facebook endlich transparenter mit Nutzerdaten umgehen, meinen einige Kommentatoren. Andere fürchten eine Spekulationsblase mit unabsehbaren Folgen.

La Stampa - Italien

Investoren haben Qual der Wahl

Beim Börsendebüt des weltgrößten sozialen Netzwerks müssen Investoren eine schwierige Entscheidung treffen, meint die liberale Tageszeitung La Stampa: "Die Wall Street empfängt Facebook mit gemischten Gefühlen. Einerseits hofft die Börse auf einen realen Wachstumsschub, anderseits fürchtet sie den möglichen Bumerang einer Spekulationsblase mit unabsehbaren Folgen. Die Händler stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Dies ist auf die außergewöhnliche Beschaffenheit des vor sieben Jahren von Mark Zuckerberg gegründeten Netzwerkes zurückzuführen, das heute 800 Millionen Nutzer zählt. Einerseits ist mit einem Emissionserlös von bis zu 10 Milliarden Dollar zu rechnen, was gemessen am Wert des Unternehmens, der auf 75 Milliarden bis 100 Milliarden Dollar geschätzt wird, den Börsengang zum größten aller Zeiten macht. Andererseits ist das Netzwerk eine virtuelle Gemeinschaft, dessen Wert einzig und allein in seiner Online-Existenz besteht und nicht in industriellen Produkten wie etwa im Fall von Apple." (02.02.2012)

Die Zeit - Deutschland

Weltmacht Facebook endlich regulieren

Facebooks Börsengang bietet die Chance, das Unternehmen endlich stärker zu regulieren, hofft die liberale Wochenzeitung Die Zeit: "Vier große Mächte gebe es derzeit auf der Welt, sagte unlängst ein US-Admiral in Berlin: China, Indien, die USA - und Facebook. ... Man muss nicht gleich über Zerschlagung reden. Aber eine beherzte Regulierung wäre schon etwas. Eine Regulierung, die Facebook zwingt, jedem Nutzer zu sagen, was die Firma über ihn weiß. Und ihm zu garantieren, dass gelöscht wird, was der Nutzer nicht gespeichert wissen will. Gefordert wird das schon lange. Aber jetzt könnte eine gute Gelegenheit sein. Börsen reagieren mitunter empfindlich auf öffentlichen Druck. Und weil Facebook längst eine Weltmacht ist, ist eine solche Regulierung kein Thema für nationale Koalitionsverhandlungen. Sondern für die Treffen der G20, die mächtigsten Politiker der Welt." (02.02.2012)

Les Echos - Frankreich

Wall Street ist wieder magisch

Der geplante Börsengang von Facebook gibt der Wall Street ihre Magie zurück, meint die liberale Wirtschaftszeitung Les Echos: "Es ist eine unglaubliche Geschichte, wie sie nur in Amerika möglich ist. Ein Kind von zwanzig Jahren gründet 2004 aus Trotz seine eigene Firma und ist acht Jahre später Chef eines Unternehmens, das auf hundert Milliarden Dollar geschätzt wird. Hundert Milliarden: Das ist so viel wie McDonald's und zweieinhalbmal so viel wie General Motors. Und all das für einen Schulbubenstreich, für eine Firma, die nicht mehr als 3.000 Angestellte hat. Das ist die Magie des US- Finanzsektors, der momentan so schlecht dasteht. ... Facebook ist jetzt schon außergewöhnlich, und zwar nicht nur, weil die Geschichte seines Gründers auch in Hollywood ein Erfolg wurde. ... Facebook ist ein ganzes Universum und hat mehrere Firmen im Gepäck, die - wie das US-Unternehmen Zynga - bereits an der Börse sind. Die Wall Street kauft sich die Macht eines Unbekannten, um die Welt zu verändern." (02.02.2012)

POLITIK

De Volkskrant - Niederlande

Nato ignoriert Korruption in Afghanistan

Die Nato hat einem Bericht der britischen BBC vom Dienstag zufolge Beweise für eine direkte Unterstützung der Taliban durch pakistanische Sicherheitskräfte. Zudem legt der Bericht dar, wie stark afghanische Sicherheitskräfte mit den Taliban verflochten sind. Die Nato hat schwere Fehler gemacht, kritisiert die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant:  "Auf welcher Seite werden die afghanischen Soldaten und Polizisten stehen, wenn ihr großer Beschützer - die Nato - weg ist? Dem Bericht zufolge haben die Taliban ihre Strategie geändert und versuchen nun, vor allem die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung Karzai auszunutzen. Auf diese Weise zielen sie auf die größte Schwachstelle der Nato-Strategie. Die Verbündeten bilden zwar sehr viele Polizisten und Soldaten aus, aber sie haben die Korruption unter Präsident Karzai bislang viel zu stark toleriert. Von einer erfolgreichen Abzugs-Strategie kann schwerlich die Rede sein, wenn die Nato ein korruptes Regime zurücklässt." (02.02.2012)

Eleftheros Typos - Griechenland

Merkel macht Griechen Angst

Der EU-Gipfel am Montag hat Deutschlands Idee eines Sparkommissars für Griechenland verworfen, doch die Debatte darüber hält in Griechenland an. Anna Panagiotarea hat in der konservativen Tageszeitung Eleftheros Typos Angst vor Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Viele von Merkels politischen Entscheidungen offenbaren, dass sie in der DDR erzogen wurde. … So hat sie den Vorschlag für einen Sparkommissar herzlich begrüßt, weil sie glaubt, dass dieser wie ein Führungsoffizier funktionieren werde. Ich denke, dass Frau Merkel die Europäische Union bis zu einem gewissen Grad wie den Warschauer Pakt versteht - nur mit Deutschland anstelle der Sowjetunion in der Führungsrolle. Die 'Errungenschaften der Gemeinschaft' [Acquis communautaire] und die 'Union der freien und demokratischen Staaten' scheinen Frau Merkel nicht zu interessieren. Ihre Logik, von den schwachen Mitgliedern der Euro-Zone Disziplin zu verlangen und in diesen Ländern ein 'Κοnjukturprogramm' durchzusetzen, obwohl dies nur zum Absturz in die Rezession führt, macht Angst." (01.02.2012)

Der Standard - Österreich

Latinos entscheidend für US-Wahl

Mitt Romney hat am Dienstag die Vorwahl der US-Republikaner im Bundesstaat Florida klar gewonnen und damit seine Aussichten für die Präsidentschaftskandidatur deutlich verbessert. In Florida stimmte erstmals bei den Vorwahlen auch eine signifikante Latino-Community ab. Von ihren Stimmen wird bei den Wahlen aber eher Präsident Barack Obama profitieren, meint die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "Vor allem die Latinos machen Kalifornien traditionell zu einer demokratischen, Texas zu einer republikanischen Bank bei den Wahlen. Obama hat vor drei Jahren seine Präsidentschaft unter anderem in Colorado, New Mexico, Nevada - und eben Florida gewonnen. … Und damit wird auch das Einwanderungsthema immer wichtiger für den Wahlkampf. Denn obwohl unter Präsident Obama mehr als eine Million illegale Einwanderer aus Lateinamerika abgeschoben wurden, hat er immer noch mehr Glaubwürdigkeit unter diesen Wählern, die einzelne Bundesstaaten drehen können, als seine republikanischen Gegner, die etwa in Arizona unmenschlich harte Immigrationsgesetze erlassen haben." (02.02.2012)

REFLEXIONEN

Hospodářské noviny - Tschechien

Tomáš Sedláček über Tschechiens seltsamen Isolationismus

Das Nein Tschechiens zum neuen EU-Fiskalpakt isoliert das Land zunehmend, fürchtet der Wirtschaftswissenschaftler Tomáš Sedláček in der liberalen Wirtschaftszeitung Hospodářské noviny: "Unsere Politik, sei es die aus dem Präsidialamt oder zunehmend auch aus der Regierung, wendet sich grundsätzlich gegen alles, was mit E wie Europa beginnt. Das Nein zum Fiskalpakt war ein trauriges Beispiel dafür. Dabei passt der Pakt der Regierung in den Kram. Aber er ist von der EU vorgeschlagen worden. Jeder Ökonom, jeder Politiker muss sich da an den Kopf fassen. Es ist schon sehr mutig, eine Chance zu vergeben, um die Verschuldung unseres Landes zu verhindern. ... Glauben wir wirklich, dass wir mit unserem Nein unsere Souveränität beweisen? Auch ein US-Präsident, das starke Deutschland oder das stolze Frankreich müssen Kompromisse schließen, suchen Verbündete. Wie viele haben wir von dieser Sorte? Immer und immer weniger. Dafür runzeln mehr und mehr Staaten über uns die Stirn." (02.02.2012)

WIRTSCHAFT

Le Point - Frankreich

Italien ebnet Europa Weg aus der Krise

Die Renditen für zehnjährige italienische Staatsanleihen waren am Mittwoch so niedrig wie seit Oktober 2011 nicht mehr. Die Anleger scheinen Italien wieder zu vertrauen und das Land wird damit zum Modell für die Rettung Europas, freut sich die Wochenzeitung Le Point: "Doppel-Supermario, also das Gespann aus Mario Monti und Mario Draghi, hat sich daran gemacht, Italien und die Euro-Zone zu verändern. ... Italien ebnet den Weg für die Reform des Wachstumsmodells auf Pump in Südeuropa und für die Reform der Institutionen der Euro-Zone. Mario Montis Schocktherapie zerstreut die Zweifel, ob die Mittelmeerländer ihr Wirtschaftsmodell transformieren können, um mehr Produktion, Investitionen und Innovation zu erreichen. Mario Draghis Geldpolitik verbindet die notwendigen Sparmaßnahmen mit dem unumgänglichen Schuldenabbau und Wachstum. Die beiden Marios haben uns daran erinnert, dass es noch Spielraum gibt. Das ist ihr gemeinsamer Verdienst. Die Schulden- und Eurokrise wurde von veralteten Wirtschaftsmodellen und Institutionen ausgelöst. Es liegt nun in der Hand der Europäer, diese Modelle zu verändern." (02.02.2012)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Deutsche Börse auch allein wettbewerbsfähig

Die EU-Kommission hat am Mittwoch den geplanten Zusammenschluss zwischen der Deutschen Börse und dem New Yorker Konkurrenten Nyse Euronext verboten. Nach Ansicht der konservativen Frankfurter Allgemeine Zeitung ist das erfreulich, weil sich die Fusion nachteilig für die die Deutsche Börse ausgewirkt hätte: "Schon die Fusionsvorbereitung hat … viel Arbeitseinsatz und Geld gekostet und die eigentliche Arbeit an der Fortentwicklung des Unternehmens in den Hintergrund treten lassen. Ein transatlantischer Integrationsprozess hätte diesen Zustand angesichts der erheblichen Ressentiments auf beiden Seiten des Atlantiks über Jahre fortgeschrieben. Der Nutzen der Fusion - vor allem Kosteneinsparungen - war nur ein Rechenexempel auf dem Papier und hätte den Praxistest erst noch bestehen müssen. Es ist für die europäische Börsenlandschaft daher von Vorteil, ihren größten Börsenkonzern in Eigenständigkeit behalten zu können. Die Deutsche Börse ist stark genug aufgestellt, um im Wettbewerb allein bestehen zu können. Sie hat erhebliche Entwicklungschancen bei der Überführung außerbörslichen Handels auf Börsenplattformen. Und sie sollte den Versuch nicht scheuen, auch ohne die Amerikaner an ihrer Seite stärker in den Schwellenländern Fuß zu fassen." (02.02.2012)

Die Weltwoche - Schweiz

Schwache Schweiz unterliegt USA im Steuerstreit

Im Streit zwischen der Schweiz und den USA um die Daten von US-Steuersündern haben Schweizer Banken tausende Unterlagen an die US-Justizbehörden geliefert. Die Schweiz war in diesem Streit offenbar zu schwach, kritisiert die nationalkonservative Weltwoche: "Hinter freundlich klingenden Ideologien, die auch hierzulande viele Anhänger finden, versteckt sich oftmals knallharte Interessenpolitik und die dazu gehörende Doppelmoral. Das zeigt die Vehemenz, mit der die Schweiz als vergleichsweise reiches Land ins Visier genommen wird, während in den USA und in Grossbritannien mit Stiftungs- und Trust-Konstruktionen perfekt legale Mittel zur Verschleierung von Privatvermögen bereitstehen. Bis vor kurzem galt das Prinzip, dass sich demokratische Staaten nicht gegenseitig in ihre Rechtsordnung einmischen. Das war einmal: International gilt heute das Recht des Stärkeren. ... Die politische Führung der Schweiz ist offenbar zu schwach, um sich diesem Trend zu widersetzen und die Stärken der Schweiz zu bewahren." (02.02.2012)

GESELLSCHAFT

Novinar - Bulgarien

Acta kommt viel zu spät

Weltweit protestieren derzeit zehntausende Menschen gegen das umstrittene Handelsabkommen gegen Internetpiraterie Acta, an dem sich seit dem 26. Januar 22 EU-Mitgliedstaaten beteiligen. Die Protestierenden sehen darin einen Angriff auf die Internetfreiheit. In Wirklichkeit wollen sie aber nur weiterhin ungestraft geschützte Inhalte aus dem Internet klauen, meint die Tageszeitung Novinar: "Die Tatsache, dass Autorenrechte im Internet zur Zeit mit Füßen getreten werden ist nicht eine Errungenschaft der Internetfreiheit, sondern einer ihrer Defekte. Waren wir bisher insgeheim dankbar für die Zeiten ungestrafter Piraterie, so haben wir doch nie ernsthaft geglaubt, dass es ewig so weiter gehen kann. Eigentlich müssten wir sogar zugeben, dass Acta etwas zu spät kommt. Und selbst wenn der Teufel auch hier im Detail steckt, ist doch der Grundgedanke unumstößlich. Mit anderen Worten: Man kann sich darüber streiten, was Diebstahl ist, aber nicht darüber, dass Diebstahl verboten ist." (01.02.2012)

Dienas Bizness - Lettland

Acta verdächtigt jeden

Lettland hat das internationale Anti-Piraterie-Abkommen Acta noch nicht ratifiziert und die Wirtschaftszeitung Dienas Bizness rät der Regierung sich die Unterzeichung gut zu überlegen: "Einige meinen, dass dieser Vertrag die persönliche Freiheit grundlegend einschränkt. Andere finden hingegen, dass Lettland ihn ratifizieren muss und dass sich für den Staat und seine Bürger durch die Unterzeichnung gar nichts ändert. Letztere Behauptung wird allerdings kritisiert: Warum zum Teufel muss ein Vertrag denn unterschrieben werden, wenn sich dadurch gar nichts ändert? Uns allen ist klar, dass es schlecht ist, im Laden zu stehlen und der Sicherheitsdienst das deshalb unterbinden muss. Dabei ist es eine Sache, wenn der Sicherheitsdienst einen Dieb erwischt, der eine Pralinenschachtel in seine Tasche steckt. Eine völlig andere Sache wäre es hingegen, wenn derselbe Sicherheitsdienst am Ausgang des Ladens stünde und systematisch die Taschen eines jeden Kunden durchsuchte, um sich zu überzeugen, ob nicht jemand eine Pralinenschachtel gestohlen hat." (02.02.2012)

El País - Spanien

Spaniens Kinder dürfen alles lernen

Spaniens konservative Regierung hat am Montag eine Bildungsreform angekündigt, in der das von der sozialistischen Vorgängerregierung eingeführte Fach Bürgerkunde wieder abgeschafft werden soll. Die linksliberale Tageszeitung El País kritisiert den Schritt: "Der Konflikt mit der Bürgerkunde ist künstlich aufgebauscht. Dahinter steht die Intoleranz der Bischofskonferenz und der radikalen Teile der Gesellschaft, die einige Lehrinhalte ablehnen, die sich auf die unterschiedlichen Familienmodelle beziehen, sowie auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Notwendigkeit, Unterschiede zu respektieren, selbst wenn man nicht derselben Meinung ist. ... Aber die Kinder gehören schließlich nicht den Eltern. Und ein demokratischer und nicht konfessionell gebundener Staat muss die Erziehung der Kinder so organisieren, dass diese eine möglichst umfassende Bildung erhalten, auch wenn die Inhalte manchmal den persönlichen Überzeugungen ihrer Eltern oder ihrer Kirchen widersprechen." (02.02.2012)

LOKALE FARBEN

Lietuvos rytas - Litauen

Lächerliche Denkmäler in Litauen

Mehrere litauische Städte und Gemeinden haben in jüngster Zeit Denkmalinitiativen gestartet, die die liberale Tageszeitung Lietuvos Rytas aber reichlich lächerlich findet: "Der Vizebürgermeister von Kaunas hat gefordert, in der zweitgrößten Stadt Litauens eine Gedenktafel für den ukrainischen Vorkriegs-Partisanen Jevhen Konovalec aufzuhängen. Er weiß allerdings nicht genau, wo Konovalec während seines Besuchs in Kaunas gewohnt hat und wie er sich um Kaunas verdient gemacht hat. Vielleicht möchte der Vize-Bürgermeister sein Haus einfach mit einer schönen Gedenktafel schmücken? Andererseits ist dies nicht gerade der originellste Versuch, das Andenken berühmter Persönlichkeiten in Litauen zu verewigen. ... Die Stadt Rokiskis hat all diese Versuche aber übertroffen. Der Bürgermeister dieser Provinzstadt hat beschlossen, ein Denkmal für den Mitgründer der legendären Musikgruppe The Beatles, John Lennon, zu errichten. Denn der Name der Stadt [Rokiskis] soll eine wörtliche Verbindung mit der Rockmusik [im Litauischen 'Rokas'] zeigen." (02.02.2012)

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