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Presseschau | 03.07.2012

 

TOP-THEMA

Das Erbe der EM im Osten Europas

Zwei Millionen Fans kamen während der Euro 2012 in die Ukraine, fast doppelt so viele wie erwartet. (© dapd)

 

Mit dem Finalsieg Spaniens ist am Sonntag die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine zu Ende gegangen. Die EM hinterlasse ein sehr wichtiges Erbe in den beiden Ländern, sagte Uefa-Präsident Michel Platini. Kommentatoren kritisieren hingegen die Übermacht der Uefa bei dem Turnier, das trotz aller Begeisterung den Zusammenhalt der Gastgeber nicht gestärkt habe.

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Uefa ist großer Gewinner des Turniers

Klarer Sieger der Fußball-Europameisterschaft ist die Uefa, resümiert die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung und warnt vor einer weiteren Kommerzialisierung: "Der Verkauf der Marketing- und Fernsehrechte sowie der Eintrittskarten brachte Einnahmen von mehr als 1,3 Milliarden Euro. Und das Geschäft wird noch größer: von der EM 2016 in Frankreich an nehmen 24 Mannschaften am Endturnier teil. Dass der sportliche Wert der Veranstaltung verwässert, wird wegen der deutlich verbesserten Einnahmemöglichkeiten gern hingenommen. ... Der finanzielle Erfolg ... hat aber auch seine hässliche Seite. ... Die wenigen Hotelzimmer in der Ukraine wurden von der Uefa für ihre 'Familie' genannten Mitglieder und Geschäftspartner blockiert, nur für die umfangreiche Fahrdienstflotte der Fußball-Union gab es freie Zufahrt zu den eigentlich öffentlichen Parkplätzen an den Stadien. ... Ob die beiden Ausrichterländer zu den Gewinnern der Europameisterschaft zählen, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen, wenn die Milliardeninvestitionen in die Stadien und die Infrastruktur ihren Test auf die Alltagstauglichkeit hinter sich haben." (03.07.2012)

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Einigkeit von Ukraine und Polen nur hohle Phrase

Eine Fußball-EM lässt die Ausrichterländer nicht wirklich zusammenwachsen, meint die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung und begründet das unter anderem damit, dass die Uefa das Turnier nur als Bühne für eine kommerzielle Mega-Veranstaltung nutzte: "Ein leeres Versprechen blieb, dass die beiden Länder das Turnier gemeinsam ausrichten - als Zeichen und als Aufforderung, dass Polen und die Ukraine näher zusammenrücken. Davon war wenig festzustellen. Was in Polen stattfand, hatte nichts mit dem zu tun, was in der Ukraine ablief. Das ist freilich keine neue Erfahrung, nur war sie viel extremer als etwa 2008, als die Schweiz und Österreich in Genf oder Klagenfurt auf ihre eigene Weise Euro-Fussball veranstalteten: Im kühlen Danzig lief in jeder Beziehung ein ganz anderer Euro-Film ab als im heissen, fast 2000 Kilometer entfernten Donezk. 'Creating History together' - der als Trademark firmierende Euro-Slogan zeigt unverblümt den hohlen Kern nicht nur als Co-Veranstaltung: zusammen Geschichte schreiben, aber unter den Bedingungen der Uefa-Trademark." (03.07.2012)

Rzeczpospolita - Polen

Folgekosten belasten Polen noch lange

Nach einer Umfrage der liberalen Tageszeitung Gazeta Wyborcza finden 90 Prozent der befragten Polen, dass die EM "hervorragend" gewesen sei. Diese Umfrage ist nicht seriös, weil die Befragten nur aus einer Laune heraus geantwortet haben, ohne an die Folgekosten zu denken, kritisiert die konservative Tageszeitung Rzeczpospolita mit ironischem Unterton: "Es gibt natürlich keinen Zweifel, dass der Enthusiasmus, der hier zum Ausdruck kommt, vollständig durchdacht ist. Die Befragten freuen sich mit Sicherheit wirklich so über die EM und wissen zugleich ganz genau, wie viel die Stadt Warschau für die Organisation der Veranstaltung ausgegeben hat - vom gesamten Staat einmal abgesehen. Ihnen ist sicherlich auch bewusst, dass die Schließung weiterer Schulen und die Streichung von Kindergartenplätzen sowie die höheren Preise für öffentliche Verkehrsmittel und Parkplätze, zu denen es jetzt schon bald kommen wird, überwiegend auf die Kosten für dieses unvergängliche Ereignis zurückzuführen sind." (03.07.2012)

lrytas.lt - Litauen

Südeuropäer siegen über Klischees

Nach dem Ende der Fußball-EM, bei der im Finale Spanien über Italien siegte, freut sich das Internet-Portal lrytas.lt, dass das Turnier wieder einmal Vorurteile der Nordeuropäer gegenüber den Südeuropäern erschüttert hat: "Das Stereotyp des faulen Südländers blüht in der Regel im Sommer auf, wenn die von der den Geist einengenden Ordnung ermüdeten Nordeuropäer Richtung Mittelmeer in den Urlaub fahren. ... Vergangene Woche brauchte man nirgendwohin zu fahren. Das Mittelmeer drang über die Bildschirme selbst in das Zuhause der Nordeuropäer ein. Die Welle der Fußball-EM hat fast jeden Abend die Häuser mit Südeuropäern und ihrer Mentalität gefüllt, die, wie sich herausstellte, der nordeuropäischen überlegen ist. ... Wenn wir uns die Ergebnisse von Europa- und Weltmeisterschaften der vergangenen 10 bis 15 Jahre anschauen, sehen wir dort die zum Trocknen aufgehängte Wäsche der Italiener, die spanische Siesta, die griechische Philosophie und französische Brioches. Wir sehen das verschuldete Südeuropa, dessen Überlebensmotto 'Das Leben ist schön!' bei vielen Menschen nördlich von München Allergien hervorruft." (02.07.2012)

POLITIK

Simerini - Zypern

Troika durchleuchtet den Patienten Zypern

Einen Tag nach der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Zypern sind am Montag Vertreter der Troika aus EU, IWF und EZB auf die Mittelmeerinsel gereist, um die Finanzen der Banken zu prüfen und zu analysieren, wie viel Geld Nikosia aus dem Euro-Rettungsschirm benötigt. Die konservative Tageszeitung Simerini analysiert die Chancen, die dieser Besuch bietet: "Das tägliche Leben der Zyprioten wird sich ändern. Derzeit ähnelt die Situation der eines Patienten, der in einen Unfall verwickelt war und durchleuchtet wird. Vom Unfall ist er noch benommen. Langsam beginnt man, die Auswirkungen zu erkennen. … Je schneller wir verstehen, wie die Lage der Wirtschaft ist, desto schneller und effektiver kann diese wieder aufgebaut werden, indem sie durch Reformen und ein Wachstumsmodell ihr Gleichgewicht und ihre Wettbewerbsfähigkeit wiederfindet. Unter diesen Umständen wären Troika und Sparauflagen keine Strafe, sondern eine Chance für den Wiederaufbau von Wirtschaft und Staat." (02.07.2012)

La Repubblica - Italien

Kampf um EU-Gipfelbeschlüsse folgt erst noch

Die finnische Regierung hat am Montag angekündigt, dass sie ein Veto gegen den Aufkauf von Staatsanleihen durch den europäischen Rettungsfonds ESM einlegen will, wie er auf dem EU-Gipfel vergangene Woche ins Auge gefasst wurde. Auch die niederländische Regierung äußerte sich kritisch. Die Bedenken der beiden Länder zeigen, dass die Beschlüsse des Krisengipfels noch nicht ausgereift sind, meint die linksliberale Tageszeitung La Repubblica: "Die Drohung des finnischen Premier Jyrki Katainen, der Strategie einer Zinssenkung nicht zuzustimmen, muss nicht wörtlich genommen werden. Doch sie macht deutlich, wie heftig um die Details des Rettungsmechanismus gekämpft werden wird. … So sind beispielsweise die Inhalte des Memorandums noch nicht geklärt, das die Schuldenländer als Gegenleistung für den Aufkauf ihrer Staatsanleihen unterschreiben müssen. Genau so wenig ist geklärt, ob es sich bei diesen Aufkäufen um eine einmalige oder dauerhafte Maßnahme handeln soll. Auch die Rolle der EZB als 'Agent' des ESM ist noch nicht definiert. Alle diese scheinbar technischen, jedoch höchst bedeutsamen Details müssen auf dem Gipfel der Minister der Euro-Gruppe am 9. Juli geregelt werden. Es ist absehbar, dass Deutschland hier die Schlüsselrolle zukommt. Und Berlin könnte der Adressat der Botschaften aus Finnland und den Niederlanden sein." (03.07.2012)

Blog Ignacio Escolar - Spanien

Rajoy spricht in der Krise nur über Fußball

Spaniens Premier Mariano Rajoy hat am Montag weitere drastische Sparmaßnahmen für die kommenden Wochen angekündigt. Ignacio Escolar übt in seinem Blog scharfe Kritik an einem Regierungschef, der seine Politik quasi heimlich betreibt und selten vor den Medien erklärt: "Weitere Einschnitte also werden im Juli kommen - ganz hinterlistig, mitten im Sommer. Wahrscheinlich in der letzten Kabinettssitzung des Monats, am letzten Freitag vor dem August, während die olympischen Sommerspiele beginnen und die Hälfte des Landes in den Urlaub fährt. Ohne Parlamentssitzung. Ohne Debatte zur Lage der Nation. Vielleicht werden sie in einer Pressemitteilung angekündigt. Oder auf einer Pressekonferenz von Rajoys Stellvertreterin Soraya Sáenz de Santamaría. Er selbst wird nicht erscheinen. Mit etwas Glück bekommen wir noch vor September ein weiteres Interview mit Rajoy - zu den olympischen Spielen, falls wir wieder in ein Finale kommen. Bislang hat der Premier vier Interviews gegeben. ... Zwei zu seiner Politik und zwei über Fußball." (03.07.2012)

Le Soir - Belgien

Belgien trägt Schuld an Misere der Ex-Kolonien

Vor 50 Jahren wurden die belgischen Kolonien Ruanda und Burundi unabhängig, schon zwei Jahre zuvor der Kongo. Die linksliberale Tageszeitung Le Soir macht die Belgier mitverantwortlich für die heutige Misere dieser Länder: "Warum fällt die Bilanz für alle Bereiche, für die Lebensbedingungen im Land, für die demokratische Entwicklung und auch für die nachbarschaftlichen Beziehungen so schlecht aus? Für eine Analyse der Situation muss man den Blick weiten: Es sind die Belgier und nur sie, die seit Beginn des letzten Jahrhunderts die Politik dieser Länder geprägt haben. Sie haben nicht nur dafür gesorgt, dass die sozialen Differenzen zwischen Hutu und Tutsi als ethnische Spannungen interpretiert werden, dass die Demokratie mit dem Gesetz (der Diktatur?) der zahlenmäßigen Mehrheit verwechselt wird und dass alte Völker und Gesellschaften geteilt werden. ... Nein, Belgien hat in den 1960er Jahren bewiesen, dass es in seinem eigenen Einflussbereich nicht vor Gewalt oder gar Verbrechen zurückschreckt. ... Vielleicht wäre es angebracht anzuerkennen, dass die Ausgangslage der drei von Belgien beherrschten Länder Kongo, Ruanda und Burundi schon zu Beginn ihrer Unabhängigkeit sehr schlecht war." (02.07.2012)

WIRTSCHAFT

Business Insider - Großbritannien

Euro-Abwertung ist letzter Ausweg

Nur eine drastische Währungsabwertung kann Europa aus der Schuldenkrise führen, behauptet Bruce Krasting auf dem Wirtschaftsblog Business Insider mit Blick auf den EU-Gipfel vergangene Woche, denn sowohl die Krisenländer als auch Deutschland würden von einem solchen Schritt profitieren: "Es bleibt noch eine Möglichkeit: eine Abwertung des Euros um über 20 Prozent. Sie würde tatsächlich viel ausmachen. Sie wäre ein weitreichender Schritt, um Europas Volkswirtschaften zu stabilisieren. Sie würde zudem zu einer Inflation führen, die dringend nötig ist, um die europäischen Schulden abzuwerten. Selbst Deutschland würde diesem Schritt zustimmen, da er seine Position als wettbewerbsfähiges Exportland innerhalb Europas wahrt und außerhalb Europas verbessert. Brüssels Technokraten würde diese Entwicklung gefallen, denn nur sie kann die Währungsunion noch erhalten." (01.07.2012)

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Haushaltsloch zwingt Hollande zum Sparen

Frankreichs neue Regierung muss ein Haushaltsloch von rund 40 Milliarden Euro stopfen, um die internationalen Sparverpflichtungen einzuhalten. Das ist das Ergebnis eines Berichts des Rechnungshofs, den Präsident François Hollande nach seiner Amtsübernahme angefordert hatte. Nun muss Hollande den Rotstift ansetzen, meint die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Nach seinem Sieg bei der französischen Präsidentschaftswahl gewährte der Sozialist dem Volk zunächst eine gefällige Show. Er führte die Rente mit 60 teilweise wieder ein, erhöhte Sozialleistungen, kündigte zusätzliche Lehrerstellen an und wirbelte ganz Europa mit seinen Wachstumsforderungen auf. ... Nun ist die Kür vorbei. ... Wenn er Frankreich stärken will, muss er ihnen genauso viele Reformen abverlangen wie sein konservativer Vorgänger Nicolas Sarkozy. Mindestens. Dies wird die radikale Linke und die Gewerkschaften aufbringen. Dann kann Hollande Stehvermögen zeigen. Zugleich sollte er die Franzosen überzeugen, dass sie nicht Angela Merkel oder den Finanzmärkten zuliebe Opfer bringen. Sie tun es für ihr Land und ihre Kinder." (03.07.2012)

Aamulehti - Finnland

Bankenaufsicht versagt im Barclays-Skandal

Im Skandal um versuchte Zinsmanipulation durch die britische Großbank Barclays ist Vorstands-Chef Bob Diamond am heutigen Dienstag mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Er folgte damit Aufsichtsrats-Chef Marcus Agius, der bereits am Montag zurückgetreten war. Die Affäre beweist, dass es höchste Zeit ist, die Bankenaufsicht zu verschärfen, drängt die liberale Tageszeitung Aamulehti: "Vergangene Woche verhängten die britischen und US-amerikanischen Behörden wegen des Skandals rund um den [Interbanken-Zinssatz] Libor gegen Barclays eine Strafe von 453 Millionen Dollar, also etwa 360 Millionen Euro. Auch die Aktivitäten mehrerer anderer Banken werden untersucht. Die Angelegenheit ist sowohl für Großbritannien als auch allgemein für die Bankenaufsicht unangenehm. Wie kann so etwas im Zentrum der weltweiten Finanzmärkte passieren und wieso fällt den Kontrolleuren das nicht auf? Nach diesem Vorfall hat sich die Behauptung erübrigt, dass es keinen Bedarf für eine striktere Bankenaufsicht gibt." (03.07.2012)

Les Echos - Frankreich

US-Expansion für Airbus notwendig

Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat am Montag angekündigt, den A320 ab 2015 im US-Bundesstaat Alabama zu produzieren. Bereits im kommenden Jahr soll mit dem Bau des neuen Standorts begonnen werden. Für Airbus ist ein Standbein in Nordamerika überlebenswichtig, meint die Wirtschaftszeitung Les Echos: "Gegen diese Auslagerung der Produktion werden sich viele Stimmen erheben. Doch Airbus muss innerhalb der Dollar-Zone produzieren. Wegen der Wechselkursschwankungen ist es sehr riskant, auf einem Markt, auf dem nur in Dollar gehandelt wird, völlig von den in Euro verrechneten Produktionskosten abzuhängen. Airbus muss in den USA stärker vertreten sein, direkt und indirekt über seine Zulieferer. Die Arbeitsplätze bei Airbus sind nicht durch die Kollegen in China und den USA bedroht, sondern eher durch die Herausforderungen, die an die Entwicklung neuer Flugzeuge gestellt werden, die deutsch-französischen Differenzen oder die Ego-Schlachten der Manager." (03.07.2012)

Blog A Tempo e a Desmodo - Portugal

Portugals unverschämte Piloten streiken

Die Piloten der staatlichen Fluggesellschaft Portugals TAP werden am Donnerstag in den Streik treten. Sie fordern Gehaltserhöhungen und ein Mitspracherecht bei der geplanten Privatisierung des Unternehmens. In seinem Blog A Tempo e a Desmodo hat Henrique Raposo nur Spott für die Piloten übrig: "Diese armen Teufel, die nur 8.000 Euro monatlich verdienen, streiken gegen die neo-faschistische Politik der Regierung. Das ergibt Sinn. In der Tat müssen diese Arbeitnehmer der unteren Steuerklassen ihre Stimme erheben. Zutiefst bewegt von ihren prekären Arbeitsverhältnissen ist die Gesellschaft auch sofort solidarisch geworden. Tausende Arbeitslose strömen zur Sozialversicherung, um Teile ihres Arbeitslosengelds zu spenden. Auch eine Supermarktkette, bekannt für ihre Guerilla-Marketing-Strategien, hat eine Lebensmittel-Sammelaktion für diese Märtyrer ins Leben gerufen. ... Die Caritas bereitet eine Spende feinster Opernbekleidung vor. Armani und Prada wurden auch schon kontaktiert. Sie haben sich großherzig dazu bereit erklärt, den mittellosen Piloten die Sommerkollektion 2011 zu stiften." (03.07.2012)

GESELLSCHAFT

Der Standard - Österreich

Vatikan lehnt Reformen weiter ab

Papst Benedikt XVI. hat den umstrittenen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller zum neuen Präfekten der Glaubenskongregation ernannt, das teilte der Vatikan am Montag mit. Mit dieser Wahl haben sich Hoffnungen auf Reformen in der katholischen Kirche wieder einmal zerschlagen, bedauert die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "Die romtreue Kirche heißt den Dogmatik-Professor erfreut willkommen, Reformkreise schreien aber entsetzt auf. Kurioserweise stehen sie dabei auf der gleichen Seite wie die erzkonservativen Piusbrüder: Sie wettern gegen den 'Glaubensbock' der 'vom Teufel gerittenen Konzilskirche'. Wer gehofft hatte, der Amerikaner William Joseph Levada würde nun von einem reformfreundlicheren Geistlichen abgelöst, wurde - natürlich - enttäuscht. Es musste doch klar sein: Justament bei der Bestellung des obersten Hüters der Glaubenslehre werden nicht neue Zeiten anbrechen. Diese lassen ja auch beim Fußvolk der Amtskirche seit langem auf sich warten." (03.07.2012)

LOKALE FARBEN

Gândul - Rumänien

Rumänen scheuen ihre wahre Herkunft

Rumäniens Kulturminister Puiu Haşotti hat Wissenschaftlern vergangene Woche verboten, DNA-Proben von walachischen Fürsten aus dem 14. und 15. Jahrhundert auszuwerten. Die Forscher vermuten, dass die Fürsten von einem asiatischen Turkvolk abstammen. Das widerspräche jedoch dem Nationalmythos, wonach die Rumänen aus einem romanischen Volk hervorgegangen sind. Die Tageszeitung Gândul findet die Entscheidung des Ministers lächerlich: "Das klingt alles nach kasachischem Despotismus anstatt nach europäischer Wissenschaft. ... Aber warum dürfen wir nicht die wahre Geschichte ausgraben? Ganz einfach: ... Weil uns nur noch unser Nationalstolz geblieben ist, alles andere um uns herum wurde privatisiert. Mit unserem Stolz entschuldigen wir von Zeit zu Zeit unsere Fehler. ... Wir wollen nicht ohne die verfälschte Geschichte voller Glanz und Gloria leben. Denn nach jeder Katastrophe beruhigt sie unser Gewissen. ... Ohne diese Dako-Romanisierung [Argumentation, dass die rumänische Bevölkerung auf eine Fusion der dakischen und rumänischen Bevölkerung zurückgeht] müssten wir uns womöglich noch den Herausforderungen des heutigen Rumäniens stellen." (03.07.2012)

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