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Presseschau | 18.05.2012

 

TOP-THEMA

Rekord-Börsengang von Facebook

Facebook ist zum Börsenstart 104 Milliarden Dollar wert. (© AP/dapd)

 

Aktien des weltweit führenden Online-Netzwerks Facebook werden am heutigen Freitag erstmals an der Technologiebörse Nasdaq gehandelt. Es ist der bislang größte Börsengang eines Technologieunternehmens. Kommentatoren warnen vor einer gigantischen Spekulationsblase und kritisieren, dass die Finanzwelt nichts aus vergangenen Krisen gelernt hat.

Kurier - Österreich

Spekulationsblase kann bald platzen

Der Wert von Facebook beruht nur auf Erwartungen der Werbewirtschaft, meint die liberale Tageszeitung Kurier und fürchtet, dass die Spekulationsblase sehr schnell platzen könnte: "Wurde das Internet früher zum Verkauf recht konventioneller Produkte und Dienste benutzt, ist das Produkt von Facebook genialerweise der Nutzer selbst. Dieser Nutzer, der sich freiwillig und gratis speichern, scannen, analysieren und weiter vermarkten lässt, hat praktischerweise auch keinerlei Angst vor Datenklau, Big Brother oder einer Diktatur der Maschinen. ... Das alles klingt wie die Neuerfindung der Gelddruckmaschine durch den 28-jährigen Mark Zuckerberg. Doch mehr und mehr Experten sagen, dass die gigantische Facebook-Spekulationsblase, die einen Firmenwert von 100 Milliarden Dollar vorgaukelt, auch rasch wieder platzen könnte. Dann nämlich, wenn sich die Werbewirtschaft eingestehen muss, dass ausgerechnet ihre Botschaften auf Facebook niemanden interessieren." (18.05.2012)

Trouw - Niederlande

Gefährlicher Börsen-Hype um Facebook

Viele Nutzer zweifeln laut einer Untersuchung der Nachrichtenagentur AP an der Zuverlässigkeit von Facebook und reagieren auch nicht auf die Anzeigen. Der dauerhafte Erfolg des Netzwerks ist auch nach dem gigantischen Börsengang fraglich, warnt die christlich-soziale Tageszeitung Trouw: "Es wäre nicht das erste Internetunternehmen, das an die Ränder der virtuellen Welt abdriftet, einfach weil der einzige Erfolgspfeiler nach einiger Zeit wegbricht. ... Natürlich kann es mit dem Unternehmen anders laufen, und vielleicht wird bereits insgeheim am nächsten großen Wurf gearbeitet. Oder aber Facebook wird zur nächsten Blase. Angesichts des heutigen Hypes um Facebook, der Euphorie der Anleger, der Ausgabe von noch mehr Aktien und der Erhöhung des Einführungskurses muss man das Schlimmste befürchten. Eigentlich sollte man meinen, dass die Finanzwelt nach der Dotcom-Blase und der Bankenkrise von teuren Abenteuern genug hat und eine Weile auf Nummer sicher geht. Aber echte Produkte und langfristige Strategien sind offenbar noch immer deutlich langweiliger als die Jagd nach dem echten Börsenhit." (18.05.2012)

The Times - Großbritannien

Innovatives Internet verändert die Welt

Der Börsengang des sozialen Netzwerks Facebook ist für die konservative Tageszeitung The Times Anlass, das revolutionäre Zeitalter des Internets zu würdigen: "Der Börsengang Facebooks ist ein Meilenstein. Aber er ist wahrscheinlich erst der Beginn vieler weiterer Innovationszyklen. Schon jetzt können wir uns vorstellen, wie das Internet die Art und Weise verändert, wie die Menschen lernen und sich neue Fähigkeiten aneignen. Es ist bereits ersichtlich, dass Technologien den Zugang zu medizinischer Beratung und zur Gesundheitsvorsorge verändern werden. Dazu wird es noch weitere Entwicklungen geben, auch, wenn wir sie noch nicht kennen. Wir sollten uns dabei von Mark Zuckerberg, dem Gründer von Facebook, inspirieren lassen. Seine Intelligenz, Persönlichkeit und Bestrebungen sind überwältigend. Genauso überwältigend ist die Idee, dass globale Gemeinschaften - unabhängig von geografischen Grenzen - durch Technologie und gemeinsame Interessen verbunden sind." (18.05.2012)

15min - Litauen

Börsengang betrifft alle Nutzer

Der Börsengang ist für alle Facebook-Nutzer eine wichtige Nachricht, meint das Portal 15min: "Auch wenn Sie Facebook nur als Instrument für Ihre virtuelle Sozialisation nutzen, und sich nicht für Investitionen und die wirtschaftliche Seite des Unternehmens interessieren, so kann die Tatsache, dass die Facebook-Anteilseigner heute durch den Börsengang von Milliardären auf dem Papier zu Milliardären in der Wirklichkeit werden, Einfluss auf Ihren Alltag haben. Die an der Börse eingesammelten Milliarden von Dollar werden für die Entwicklung neuer Facebook-Produkte genutzt. ... In der nächsten Zeit können wir also mit mehr Innovationen und Verbesserungen rechnen. ... Die andere für uns nicht unbedingt erfreuliche Veränderung wird das erhöhte Werbeaufkommen bei der Nutzung von Facebook auf mobilen Geräten sein." (18.05.2012)

POLITIK

El País - Spanien

Frankreichs geläuterte Anti-Europäer

Das neue Kabinett von Frankreichs Präsident François Hollande hat am Donnerstag die Amtsgeschäfte übernommen. Die Außenpolitik wird nun von denjenigen bestimmt, die sich 2005 gegen eine europäische Verfassung aussprachen, gibt die linksliberale Tageszeitung El País zu bedenken: "Es ist schon paradox, dass der jetzige Außenminister, Laurent Fabius, und sein Kollege für EU-Politik, Bernard Cazeneuve, die wichtigsten Wortführer der Sozialisten waren, die für das Nein beim Referendum 2005 warben, das zur Ablehnung der europäischen Verfassung führte. Aber heute sind sie alle für Europa; für ein anderes Europa, wie gestern der neue Wirtschaftsminister Pierre Moscovici klarstellte. Im doppelten Sinne: Zum einen fordern sie eine Wachstumsagenda als Ergänzung zum Fiskalpakt. Zum anderen versprechen sie, dass die Union unter deutsch-französischer Führung wieder zu einer Gemeinschaft wird, in der alle Mitgliedsstaaten und Institutionen mitzureden haben. Man möchte also von der Idee eines Direktoriums Abstand nehmen." (18.05.2012)

Corriere della Sera - Italien

G8-Treffen steckt voller Dramatik

Die Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten treffen sich am heutigen Freitagabend im US-amerikanischen Camp David. Hauptthema des Gipfels soll die Wirtschafts- und Finanzpolitik sein. Das rustikale Ambiente des Gipfels passt zu dessen Dramatik, mutmaßt die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera: "Wenn Obama heute Abend die Staats- und Regierungschefs der G8 im rustikal-schicken Camp David empfängt, werden die Sherpas und Diplomaten im Gefolge in den Genuss eines Pfadfinderlebens kommen, denn sie werden in Holzbungalows mit Dreibettzimmern zwischen den Bäumen der Erholungsanlage des Präsidenten in Maryland untergebracht. Manch einer erkennt darin bereits eine Metapher dafür, dass sich auf dem Gipfel ein Ex-Direktorium trifft, das nur mehr spartanisch leben kann, da eine tiefe und anhaltenden Krise bereits Erinnerungen an eine Kriegswirtschaft heraufbeschwört. ... Das Treffen könnte dramatisch enden, und zwar nicht wegen der Entscheidungen, die gefällt werden, sondern wegen der Dinge, die gesagt werden: Über den möglichen Zerfall der Währungsunion wird erstmals offen gesprochen werden." (18.05.2012)

Lidové noviny - Tschechien

Peinliche Pannen im Mladić-Prozess

Das UN-Tribunal in Den Haag hat den Prozess gegen den mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrecher Ratko Mladić am Donnerstag auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Es warf der Staatsanwaltschaft vor, der Verteidigung Dokumente vorenthalten zu haben. Die konservative Tageszeitung Lidové noviny übt an der Arbeit des Gerichts scharfe Kritik: "Der normale Mensch fragt sich, wie es zu der Panne kommen konnte. Ratko Mladić wurde schließlich bereits im Mai 2011 festgenommen, die Anklage hatte ein Jahr Zeit, Beweise zu sammeln. Warum sind diese nun nicht so hieb- und stichfest, dass der Prozess überhaupt beginnen konnte? Die Situation ist doppelt peinlich, sitzt doch das Balkan-Tribunal im niederländischen Den Haag. Und es waren eben niederländische Truppen, die 1995 Srebrenica schützen sollten und die Menschen dort am Ende an Mladić auslieferten. Jahre später stolperte über dieses Ereignis die niederländische Regierung. Eigentlich hätte das schon Lehre genug sein sollen, doch jetzt zeigt sich vor dem internationalen Tribunal im niederländischen Den Haag, dass keine Lehre daraus gezogen wurde." (18.05.2012)

Phileleftheros - Zypern

Gehaltserhöhung Merkels zeugt von Arroganz

Zum ersten Mal seit zwölf Jahren hat das deutsche Kabinett am Mittwoch seine eigenen Bezüge erhöht. Das Gehalt seiner Mitglieder wird in drei Schritten bis August 2013 um insgesamt 5,7 Prozent steigen. Die liberale Tageszeitung Phileleftheros findet, dass die Arroganz Merkels in Anbetracht der Krisenzeiten unerträglich ist: "Das monatliche Gehalt der Kanzlerin wird um 930 (!) Euro erhöht und beträgt nun 18.104 Euro! Die Kanzlerin wird also eine Gehaltserhöhung bekommen, die die Durchschnittslöhne der Arbeitnehmer in der EU um ein Vielfaches übersteigt. Nun muss man an dieser Stelle an eine Aussage Frau Merkels von vor zwei Wochen erinnern. Sie hat gesagt, dass ein Bürger mit dem, was er verdient, auch auskommen muss, wenn er ein erträgliches Leben führen möchte. ... Es scheint so, als ob sie das Gefühl für Geld verloren hat. Die Provokationen und die Arroganz von Frau Merkel sind grenzenlos. Es scheint so, als ob Deutschland es sich in der Krise gemütlich gemacht hat." (17.05.2012)

WIRTSCHAFT

Jornal de Negócios - Portugal

Griechenland muss Euro-Zone schnell verlassen

Griechenland muss die Euro-Zone möglichst bald verlassen, meint der US-amerikanische Ökonom Nouriel Roubini in der Wirtschaftszeitung Jornal de Negócios: "Die griechische Euro-Tragödie steht kurz vor ihrem letzten Akt: Mit großer Wahrscheinlichkeit wird das Land dieses - spätestens nächstes - Jahr zahlungsunfähig und muss die Euro-Zone verlassen. Den Austritt des Landes bis nach den Wahlen im Juni hinauszuschieben, ist sinnlos. Griechenland ist in einem Teufelskreis gefangen. ... Diesem kann man nur entkommen, wenn ein Vertragsverletzungsverfahren und ein koordinierter Austritt eingeleitet wird, welche die Kollateralschäden für das Land und die Euro-Zone minimieren. ... Wie bei einer Ehe, die zum Scheitern verurteilt ist, empfiehlt es sich, Regeln für die unvermeidbare Scheidung aufzustellen. Ein kontrollierter Austritt würde einen beträchtlichen wirtschaftlichen Schaden anrichten. Viel schlimmer wäre es aber, sich den langsamen und chaotischen Niedergang der hellenischen Wirtschaft und Gesellschaft anzuschauen." (18.05.2012)

Heti Válasz - Ungarn

Ungarns Wirtschaftspolitik ist hoch kreativ

Ungarns rechtskonservative Regierung von Viktor Orbán wird für ihre Wirtschaftspolitik im In- und Ausland immer wieder heftig kritisiert. Die regierungsnahe konservative Wochenzeitung Heti Válasz entgegnet, dass die Regierung von althergebrachten Rezepten nichts hält und stattdessen auf Kreativität setzt: "In Wirklichkeit stehen die Akteure der globalen Wirtschaft, was kreative Ideen anbelangt, in Konkurrenz zueinander. Das Wohl und Wehe der Nationen hängt also nicht zuletzt von ihrer kreativen Energie ab. ... Es mag sein, dass die wirtschaftspolitischen Schritte nicht der althergebrachten Logik entsprechen und von der Tradition abrücken, doch sie sind neu und sie erfüllen ihren Zweck. Abgesehen davon funktionieren die traditionellen Handlungsmuster der Wirtschaftspolitik auch andernorts nicht: Von 27 Regierungen in der EU sind bereits 16 wegen der alten Rezepte gescheitert. Der kreative Charakter der ungarischen Wirtschaftspolitik wird heute von niemandem mehr in Frage gestellt. … Der Freiheitskampf in der Wirtschaft hat bereits in kurzer Zeit mehr Vor- als Nachteile gebracht. ... Obwohl Erneuerung schmerzlich ist, führt sie zu nationalem Wohlstand. Es lohnt sich also, Neues zu wagen." (17.05.2012)

Rzeczpospolita - Polen

Opel Astra ist gerechtes Geschenk für Polen

Der US-Autobauer General Motors hat am Donnerstag entschieden, das neue Astra-Modell ab 2015 nicht mehr in Rüsselsheim, sondern nur noch im britischen Ellesmere Port und im polnischen Gliwice zu fertigen. Die Entscheidung gegen Rüsselsheim findet die konservative Tageszeitung Rzeczpospolita nur gerecht: "Die Opel-Chefs haben die Werke in Gliwice immer wieder gelobt. Und jeder von ihnen hat versprochen, dass die Qualität der Arbeit mit der Produktion weiterer Modelle belohnt wird. ... Der Erfolg von Opel in Polen ist gleichzeitig eine Niederlage für die deutschen Fabriken. Denn gerade um die Produktion des neuen Astra haben sich die deutschen Gewerkschaften sehr stark bemüht. Sie haben gedroht und Lohnerhöhungen verlangt und argumentiert, dass dies alles der deutschen Wirtschaft nützt. Jetzt wissen wir, dass Gliwice die Chance erhalten hat, sich zu entwickeln und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das hat die Stadt auch verdient." (18.05.2012)

KULTUR

Turun Sanomat - Finnland

Turku 2011 für Kreativwirtschaft nutzen

Das Jahr als Europas Kulturhauptstadt 2011 hat sich für die finnische Stadt Turku auch finanziell gelohnt, so eine aktuelle Studie der Wirtschaftshochschule Turku. Nun gilt es, die Erfahrungen des letzten Jahres auch für die Zukunft zu nutzen, fordert die liberale Tageszeitung Turun Sanomat: "Turku darf sich jetzt nicht länger im Erfolg sonnen, sondern muss die Ärmel wieder hochkrempeln. Das Kulturhauptstadtjahr bietet insbesondere für die Kreativwirtschaft eine gute Basis. Das für die Kultur positive Klima, die Aktivität der Bürger, die Erfahrungen und Netzwerke müssen genutzt werden. … Die Kreativwirtschaft könnte ein neues Standbein für Turku sein. Insbesondere jetzt, wo die Entwicklung der klassischen Erfolgsbranchen Biotechnologie und IT zu wünschen übrig lässt." (18.05.2012)

GESELLSCHAFT

Novinar - Bulgarien

Endlich Rauchverbot auch in Bulgarien

In Bulgarien ist vom 1. Juni an das Rauchen in allen öffentlichen Räumen verboten. Das Parlament in Sofia hat am Donnerstag ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Das allein wird die ungehorsamen Bulgaren aber nicht vom Rauchen abhalten, meint die Tageszeitung Novinar und fordert saftige Strafen: "Bislang wurden die Rechte der Nichtraucher verletzt, die gegen ihren Willen Rauch und Gestank ausgesetzt waren. ... Darum war es höchste Zeit, dass auch Bulgarien der Entwicklung der zivilisierten westlichen Welt folgt und das Rauchen verbietet. Mittlerweile haben ja sogar unsere 'orientalischen' Nachbarn in der Türkei das totale Rauchverbot eingeführt und halten sich strikt daran. ... Damit das Rauchverbot aber auch bei uns funktioniert, reicht es nicht aus, dass es auf dem Papier steht, sondern es müssen Verstöße dagegen auch geahndet werden. Da die Bulgaren für gewöhnlich jede Gelegenheit nutzen, um dem Staat eins auszuwischen und dieses Verhalten tief in ihrer Psyche steckt, brauchen wir verstärkte Kontrollen und saftige Geldstrafen für alle, die sich nicht an das Verbot halten." (17.05.2012)

SPORT

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Fußball-Vereine müssen Fans erziehen

Das Relegationsspiel der deutschen Fußball-Bundesliga zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin am Dienstag ist minutenlang unterbrochen worden, weil Fans beider Mannschaften Feuerwerkskörper im Stadion abfeuerten. Der Fußball hat ein Gewaltproblem, stellt die linksliberale Süddeutsche Zeitung fest: "Er liefert die Kulisse für immer brutalere, oft lebensgefährdende Vorfälle, die in die Kriminalstatistik eingehen. Mal mit rechtsradikalem Hintergrund, vielfach aber auch als purer Exzess, wenn Busse, Züge und Raststätten zertrümmert werden. ... Der wahre Gewaltakt auch in Düsseldorf bestand im Einsatz von Pyrotechnik; von Feuerwerkskörpern, die von Radaubrüdern ins Stadion geschmuggelt wurden. Sieben Minuten wurde das Spiel unterbrochen. ... Diese Fankultur fasziniert viele Jugendliche, und auch die Ultra-Gruppen wachsen mit der Bedeutung des Events. Um dem Phänomen gerecht zu werden, müssen die Vereine ihre sozialpädagogische Kompetenz erweitern, sie werden in Fanprojekte investieren müssen. Der Blick muss über den Stadionrand hinausgehen, um die Kundschaft besser kennenzulernen." (18.05.2012)

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