Der Standard - Österreich | Montag, 23. Oktober 2006
Das Wiener Schnitzel stammt aus Istanbul
Manuela Honsig-Erlenburg macht sich über eine Pressemitteilung der rechtspopulistischen FPÖ lustig, die fordert, "doch gefälligst die Wiener Küche und die 'traditionsbewusst kochende Gastronomie' stärker zu fördern, um dem beklagenswerten 'Wildwuchs von Kebab-Buden' Einhalt zu gebieten." Honsig-Erlenbuch stellt fest: "Während nämlich viele Speisen der klassischen Wiener Küche 'wenigstens' aus den ehemaligen österreichischen Kronländern beziehungsweise Ungarn stammen, hat das traditionelle Wiener Schnitzel – nein nicht in Italien, das könnte man noch aushalten - in Istanbul seine skandalverdächtigen Wurzeln. Im reichen Konstantinopel pflegte man in wohlhabenden Kreisen die Tradition, Speisen mit Blattgold zu verzieren. Jene, die sich diesem übertriebenen Luxus nicht hingeben konnten, behalfen sich mit anderen Mitteln und verwendeten statt Gold kurzerhand goldgelbe Brösel als Ersatz. Der Bröselfetzen war geboren. Und zwar mitten im heutigen Istanbul."
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