Top-Thema vom Freitag, 22. Juni 2012
Enttäuschung über Erdgipfel in Rio

Leere Plätze neben dem Generalsekretär der Konferenz, Sha Zukang: Spitzenpolitiker wie Merkel, Obama und Cameron kamen nicht nach Rio. (© AP/dapd)
Auf der UN-Konferenz Rio+20 beraten seit Mittwoch mehr als hundert Staats- und Regierungschefs über globale Umweltprobleme. Am heutigen Freitag wollen sie die Deklaration Die Zukunft, die wir wollen verabschieden. Kommentatoren halten die schon vorab verfasste Erklärung für eine Farce und können verstehen, dass viele Spitzenpolitiker dem Gipfel fernblieben.
Hämeen Sanomat - FinnlandRio protokolliert nur die Zerstörung
Der Gipfel von Rio hat außer einer rhetorischen Erklärung keine konkreten Ergebnisse gebracht, beklagt die liberale Tageszeitung Hämeen Sanomat: "Die Zeit, die wir haben, um die gewaltigen Probleme zu lösen, ist nicht unbegrenzt. Der Schlüssel liegt bei den Menschen und ihren Führern, doch schon der kleinste Verzicht auf eigene Vorteile und Rechte wird als Zeichen der Schwäche gedeutet. Auch beim Gipfel in Rio wird kaum etwas Konkretes entschieden. Die Teilnehmer verabschiedeten schon vorab eine rhetorische Erklärung mit aufrichtigen Bestrebungen. In ihr werden gemeinsame Maßnahmen zu Förderung von nachhaltiger Entwicklung verlangt, doch auf die zentrale Frage, was damit gemeint ist, gibt es keine Antwort. Die Ideen und Ziele, die die Führer der Welt in der Erklärung formuliert und unterschrieben haben, sind schön und ehrenwert, aber sie reinigen keine Gewässer und machen die Wüste nicht wieder fruchtbar. Beim Rio+20-Gipfel wurde eine Situation der Zerstörung aktuell erfasst und protokolliert und danach geht alles weiter wie bisher. Leider." (22.06.2012)
» zum ganzen Artikel (externer Link, finnisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Naturkatastrophe, » Naturkatastrophe, » Global
Frankfurter Rundschau - DeutschlandMerkels Gipfel-Absage ist konsequent
Die Absage von Bundeskanzlerin Angela Merkel für das Treffen in Rio ist für die linksliberale Frankfurter Rundschau nur konsequent: "Die Hoffnung, der neue Rio-Gipfel könne nun endlich ein Umsetzungsgipfel werden, war blauäugig angesichts der verschiedenen Krisen, die die Weltpolitiker derzeit mühsam zu beherrschen versuchen. Schuldenkrise, Eurokrise, Bankenkrise, Wirtschaftskrise - alles hält sie auf Trab. Die immer größeren Rettungsschirme, die sie aufspannen, versperren den Blick auf die langfristigen und schleichenden, aber dadurch umso gefährlicheren Probleme - wie Klimawandel oder Hunger in Afrika. Die Rio-Absage von Bundeskanzlerin Angela Merkel, so empörend sie bei der 'Klimakanzlerin' zunächst erschien, erwies sich unter diesem Blickwinkel als konsequent. Sie ersparte der Welt so eine weitere Sonntagsrede, wie sie auf dem Gipfel im Hunderterpack folgenlos abgespult wurden. Merkels Abwesenheit war das Sinnbild dafür, dass nun auch die Europäer, bisher immer die treibende Kraft auf den UN-Gipfeln, ihre Ambitionen aufgegeben haben." (22.06.2012)
» zum ganzen Artikel (externer Link, deutsch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Umwelt, » Deutschland, » Global
Alle verfügbaren Texte von » Joachim Wille
Večer - SlowenienGrüne Wirtschaft die einzige Hoffnung
Der Rio+20-Gipfel zur nachhaltigen Entwicklung ist eine Enttäuschung, bedauert die konservative Tageszeitung Večer und setzt auf die Green Economy als Modell der Zukunft: "Vor 20 Jahren haben in Rio noch Optimismus und Idealismus überwogen und es ging darum, wie man unseren Planeten retten kann. Diesmal ging vor allem ums Überleben und um den Profit. Die Delegationen haben sich zwar auf eine Erklärung geeinigt, in der es darum geht, was für eine Zukunft wir uns wünschen und diese soll auch bald unterzeichnet werden. Doch überzeugt haben sie uns damit nicht. Im Gegenteil: Nichtregierungsorganisationen und gesellschaftliche Initiativen warnen davor, dass der Text nur Einzelinteressen berücksichtigt und den Bezug zur Realität verloren hat und dass, sollte er in der jetzigen Form angenommen werden, eine grüne Zukunft nicht verwirklicht werden kann. ... Die einzige Hoffnung auf Veränderung bietet eine 'grüne' Wirtschaft. Doch wenn wir wollen, dass die neuen Geschäftsmöglichkeiten und der Wunsch nach Wirtschaftswachstum nicht eine neue Bedrohung für die Umwelt darstellen, muss man ein neues Wirtschaftssystem aufbauen. Nur so können wir uns auf einen nachhaltigen Weg machen." (22.06.2012)
» weiterführende Informationen (externer Link, slowenisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » Umwelt, » Wirtschaft, » Global, » Brasilien
Alle verfügbaren Texte von » Simona Drevenšek
Tageswoche - SchweizNachhaltigkeit ist bloße Gewissensberuhigung
Große Hoffnungen setzen die Teilnehmer des Weltklimagipfels Rio+20 auf die sogenannte Green Economy. Doch das nachhaltige Wirtschaften dient vor allem als Gewissensberuhigung und lässt die Gesellschaft ihre wahre Verantwortung vergessen, kritisiert Journalist Axel Schubert in einem Gastkommentar für die Online-Zeitung Tageswoche: "Green Economy knüpft an das global uneingelöste Versprechen an, Wirtschaftsentwicklung sei von Umweltbelastung ... zu entkoppeln. ... Die Basler Energiepotenzialstudie von 2011 zeigt, wie deutlich wir die Ziele für Treibhausgase und Ressourcenverbräuche verfehlen. Doch seit den Beschlüssen von Rio eint die Strategie ganzheitlicher Nachhaltigkeit ein breites gesellschaftliches Spektrum im Glauben, wir seien auf dem rechten Weg. In dem Mass, wie Nachhaltigkeit Halt gibt - in einer Welt, die angesichts der Herausforderungen von globaler (Ressourcen-)Gerechtigkeit und Menschenrechten längst haltlos ist -, trägt das Konzept dazu bei, unsere gesellschaftlichen Handlungsweisen nicht zu hinterfragen. Doch die Herausforderungen sind nicht durch ein Mehr an Grün, sondern nur durch einen soziokulturellen wie individuellen Wandel zu lösen. Halten wir inne." (22.06.2012)
» weiterführende Informationen (externer Link, deutsch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Umwelt, » Wirtschaft, » Global
Alle verfügbaren Texte von » Axel Schubert
» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 22. Juni 2012