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Top-Thema vom Mittwoch, 25. Juli 2012


Moody's knöpft sich starke Euro-Länder vor

Noch bewertet Moody's die Kreditwürdigkeit Deutschlands, der Niederlande und Luxemburgs sowie des Rettungsschirms EFSF mit der Bestnote "Aaa". (© AP/dapd)

Die Rating-Agentur Moody's sieht die Spitzenbonität mehrerer Euro-Länder und des Rettungsfonds EFSF gefährdet. Am Montag änderte sie den Ausblick für die Kreditwürdigkeit von Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg von "stabil" auf "negativ", am Dienstag nahm sie die gleiche Einschätzung für die EFSF vor. Einige Kommentatoren sehen die Drohung als ernst zu nehmendes Warnsignal, andere halten sie für eine reine politische Gefälligkeit.


Blog Démystifier la finance - Frankreich

Moody's Analyse ist fehlerhaft

Die Negativbewertung der Kreditwürdigkeit von Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg basiert auf einer fehlerhaften Analyse der Rating-Agentur, kritisiert Georges Ugeux auf seinem Blog Démystifier la finance bei der Tageszeitung Le Monde: "Die Analyse stimmt hinten und vorne nicht. Der Austritt Griechenlands … würde, auch wenn das die launische Rating-Agentur so behauptet, nicht die europäischen Banken treffen - und zwar aus einem einleuchtenden Grund: Der Privatsektor verfügte über [griechische] Risikoanleihen in Höhe von 100 Milliarden Euro und hat einen Tausch akzeptiert, der diese Schulden um 80 Prozent gesenkt hat. Der noch ausstehende Betrag des privaten Finanzsektors beläuft sich somit auf 20 Milliarden Euro, die sehr wahrscheinlich getilgt werden. Bei 400 Gläubigern macht dies durchschnittlich 50 Millionen. Es gibt sicherlich einige europäische Banken, die bei den griechischen Banken eingekauft haben, aber es sind nicht die in Deutschland und den Niederlanden und erst recht nicht die in Luxemburg. Hingegen sind zwei von ihnen in Frankreich." (23.07.2012)


Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Eine schmerzliche Nachricht für Deutschland

Die eigentliche Botschaft, die Moody's nun verkündet hat, ist die, dass Deutschland für die Probleme der Euro-Zone zahlen wird, egal, wie es sich verhält, erklärt die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung: "Wenn die Euro-Partner Ländern wie Griechenland, Spanien oder Italien nicht helfen, wird es demnach für Deutschland teuer, weil eine neue Welle der Finanzkrise über Europa schwappen könnte. Wenn man hingegen hilft, wird es ebenfalls teuer, weil Deutschland zusammen mit anderen Euro-Nordländern den grössten Teil der Lasten schultern muss. Der sehr angelsächsisch geprägte Hinweis von Moody's, die verfahrene Lage liege vor allem am zögerlichen Agieren der Politik und alles liesse sich lösen, wenn nur mit der grossen Kelle angerichtet würde, ist verfehlt. Wenn Deutschland eine weitreichende Haftung für andere Euro-Staaten übernähme, stiege die Angst vor einer Überlastung der deutschen Staatsfinanzen erst recht. Das Vertrauen an den Anleihenmärkten könnte dann unangenehm schnell schwinden. Für Deutschland bietet dies keine erfreulichen Perspektiven. Was auch immer man tut, der deutsche Staat und seine Bürger werden wohl bezahlen müssen für die Korrektur der Fehler und Versäumnisse in der Euro-Zone. Das ist die eigentlich schmerzliche Nachricht, die Moody's überbracht hat." (25.07.2012)


Handelsblatt - Deutschland

Rating-Agenturen erstellen Gefälligkeits-Prognosen

Die Warnung von Moody's muss Deutschland nicht sehr bekümmern, denn es würde selbst eine Pleite Griechenlands und Spaniens verkraften, glaubt die liberale Wirtschaftszeitung Handelsblatt und kritisiert, dass die Einschätzungen der Rating-Agenturen politisch beeinflusst sind: "Man darf davon ausgehen, dass die Agenturen keine Ratings herausgeben, die maßgeblichen Stellen in Washington ein Dorn im Auge wären. Wenn man die Ratingwarnung an Deutschland politisch interpretieren wollte, was würde sie sagen? Sie schwächt die Position der Bundesbank, mit der die US-Regierung zunehmend unzufrieden ist. Die Frankfurter beharren darauf, dass neues Geld der Zentralbanken möglichst wenig und die Regierungen möglichst viel zur Krisenlösung beitragen. Dabei soll jedes Land finanziell voll eigenverantwortlich bleiben, solange Europa kein Bundesstaat ist. Das führt dazu, dass das Konkursrisiko für Krisenländer und die von Moody's aufgespießte Ausfallwahrscheinlichkeit für die Kreditgeber hoch bleibt. Auch diese Strategie bedroht das deutsche Rating, so die Botschaft von Moody's. Damit wird ein Argument gegen gemeinsame Schuldenaufnahme über Euro-Bonds geschwächt. Denn dagegen wird hierzulande vorgebracht, dass sie die deutsche Kreditwürdigkeit auf europäischen Durchschnitt senken würde." (25.07.2012)


NRC Handelsblad - Niederlande

Politiker müssen auf Moody's hören

Die Warnung der Rating-Agentur Moody's vor einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit von Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden muss man ernst nehmen, meint die liberale Tageszeitung NRC Handelsblad: "Die Niederlande hinken mit ihrem Wirtschaftswachstum hinterher, auch im Vergleich zum Durchschnitt der Europäischen Union. Aber vor allem kämpfen sie mit einer viel zu hohen privaten Verschuldung und darauf haben vor Moody's schon andere hingewiesen. Aus Angst vor unpopulären Maßnahmen stellen sich die niederländischen Politiker taub. Das Problem, dass Hypothekenzinsen vollständig steuerlich absetzbar sind und dass Hypotheken ablösefrei finanziert werden können, wird nur im kleinen Rahmen angepackt. Auf diese Weise wird die größte Ursache des privaten Schuldenberges zu spät und zu leichtfertig bekämpft. Die Botschaft, die die Politiker jetzt im Wahlkampf [vor den Parlamentswahlen am 12. September] senden müssen, ist, dass die Krise für jeden Folgen hat, für die Bürger und für den Staat. Sonst wird Moody's uns dies auf noch härtere Art und Weise lehren." (25.07.2012)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 25. Juli 2012

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