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Top-Thema vom Freitag, 27. Juli 2012


Draghi lässt Krisenstaaten hoffen

Draghis Äußerung sorgte weltweit für steigende Aktienkurse. (© AP/dapd)

EZB-Chef Mario Draghi hat ein noch stärkeres Engagement der Zentralbank in der Schuldenkrise und weitere Unterstützung für die Krisenstaaten signalisiert. Seine Äußerung vom Donnerstag, dass die EZB alles Erforderliche für den Erhalt des Euro tun werde, wird als Hinweis auf einen Ankauf von Staatsanleihen gedeutet. Während sich einige Kommentatoren über diese Worte erleichtert zeigen, reagieren andere alarmiert und warnen vor einer indirekten Finanzierung von Staatsschulden.


Naftemporiki - Griechenland

Hoffentlich hält Draghi seine Versprechen

Nach der Äußerung Mario Draghis, dass die EZB in der Euro-Krise alles Erforderliche tun werde, damit die Euro-Zone nicht zusammenbricht, und seiner vagen Andeutung zum Thema Anleihenkauf hofft die konservative Tageszeitung Naftemporiki, dass er seine Versprechen auch hält: "Draghi hat so agiert, wie ein richtiger Bankier seines Formats es tun sollte. … Der gestrige Tag könnte als ein Sieg der Euro-Verfechter bezeichnet werden, aber die Märkte werden in den kommenden Tagen noch testen, ob Draghi das verwirklichen wird, was er versprochen hat. … Wenn der Präsident der Europäischen Zentralbank jedoch nicht den Mut und die Entschlossenheit hat, sich entweder auch mit führenden europäischen Politikern auseinanderzusetzen oder einfach selbständig zu handeln, … werden die dunklen Tage erstaunlich schnell und heftig wiederkehren und die Europäische Zentralbank wird ihre Glaubwürdigkeit verlieren sowie ihre Fähigkeit, allein mit einer Aussage die Stimmung auf den Märkten zu ändern." (27.07.2012)


El País - Spanien

Die magischen Worte des EZB-Chefs

Nach der Äußerung Mario Draghis, dass die EZB in der Euro-Krise alles Notwendige tun wolle, kletterte der spanische Aktienindex am Donnerstag um sechs Prozent nach oben. Die linksliberale Tageszeitung El País fragt sich, warum die lang ersehnte Ankündigung so spät kam: "Wenn die bloße Ankündigung eines Eingreifens gereicht hat, um den Fall der spanischen und italienischen Staatsanleihen aufzuhalten, warum hat die EZB dies nicht früher gemacht? Eine mögliche Erklärung ist, dass die Bank die [spanische] Regierung für den schlechten Umgang mit der Finanzkrise bestrafen wollte. Und als sich diese Strafe dann auch auf Italien auswirkte, hat die Währungshüterin ihre Politik geändert, den Forderungen nachgegeben und die Spekulation mit den Staatsschulden gebremst. Eine andere Erklärung wäre, dass Draghi sich erst äußern wollte, nachdem die Rettung der spanischen Banken festgezurrt und der neue Stabilitätsmechanismus entworfen war." (27.07.2012)


La Repubblica - Italien

Das stillschweigende Einverständnis Angela Merkels

Ein eigenständiges Eingreifen der EZB ermöglicht eine Lösung der Euro-Krise, wie sie dem Willen von Angela Merkel zuwiderläuft, ohne dass diese ihr Gesicht verliert, analysiert die linksliberale Tageszeitung La Repubblica: "Draghi hat vermutlich das stillschweigende Einverständnis der deutschen Führung erhalten, mit dem er den Widerstand der Falken [der Hardliner in der Euro-Frage, die die deutsche Position vertreten] brechen kann. Wenn die EZB eigenständig handelt, um eine Krise zu entschärfen, die sich auch in Deutschland niemand wünschen kann, erlaubt er damit der Kanzlerin, formal ihren Prinzipien treu zu bleiben. So kann Merkel verhindern, dass der Kampf zur Rettung der gemeinsamen Währung sich in einen frontalen Zusammenstoß zwischen Regierungen verwandelt, der sich beim letzten Gipfel bereits angedeutet hatte und der sie das Gesicht verlieren ließe." (27.07.2012)


Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

EZB betritt gefährliche Grauzone

Dass die EZB offenbar über den Ankauf von Staatsanleihen aus Krisenländern nachdenkt, alarmiert die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Sie hat sich damit in eine geldpolitische Grauzone begeben - gefährlich nahe an die indirekte Finanzierung von Staatsschulden. ... Verständlich, dass die Märkte feiern. Sie suchen verzweifelt nach Abnehmern der riskanten Papiere. Draghi mag hoffen, dass die Ankündigung ausreicht, die Risikoaufschläge zu dämpfen. Doch wie oft sind verbale und reale Interventionen in dieser Schuldenkrise schon verpufft. Auch Draghis 'Dicke Berta', die Dreijahresfinanzierung für Banken, hat nur vorübergehend gewirkt. Draghi hat gezeigt, dass er zu vielem fähig ist. Zuzutrauen wäre ihm, dass er bei einer weiteren Eskalation der Krise alle Bedenken deutscher Währungshüter beiseiteschiebt, sich einen neuen Kanonennamen ausdenkt und mit größter Feuerkraft eingreift. Die Schuldenkrise wäre damit aber nicht gelöst: Das können nur die Staaten, wenn sie ihre Haushalte auf einen Sanierungspfad bringen und ihre Volkswirtschaften wettbewerbsfähiger machen." (27.07.2012)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 27. Juli 2012

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