Top-Thema vom Montag, 6. August 2012
Syrische Rebellen verschleppen Iraner

Eine syrische Rebellengruppe veröffentlichte ein Video, in dem sie die iranischen Gefangenen der Spionage beschuldigt. (© AP/dapd)
Syrische Rebellen haben am Samstag offenbar 48 Iraner entführt. Berichten eines saudi-arabischen Senders zufolge soll es sich bei den Gefangenen um Kämpfer der iranischen Revolutionsgarden handeln. Iranische Staatsmedien hingegen berichten, dass sie einer Pilgergruppe angehören. Der Vorfall offenbart die Abhängigkeit des Assad-Regimes von Teheran, die dem Diktator das Genick brechen wird, analysieren Kommentatoren.
Der Standard - ÖsterreichAssad wird an Iran-Verbindung scheitern
Assads Regime befindet sich in der festen Umklammerung des Iran und wird am Ende genau daran scheitern, kommentiert die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "Politikwissenschaftlich mag der Konflikt in Syrien zwar immer noch als 'nicht-internationaler bewaffneter Konflikt' - also Bürgerkrieg - bezeichnet werden: Noch beschränkt sich die internationale Beteiligung auf Unterstützung von außen für die Regierung oder für die Rebellen. Aber die Atmosphäre ändert sich, besonders was die Rolle des Iran betrifft. Ohne Umschweife gibt Teheran zu, dass es in Syrien um einen selbst geht: um den 'Widerstand' in der Region. Der Iran stützt deshalb Assad - das ist jedoch auch umgekehrt richtig, Assad kämpft auch für den Iran. Er hat sich nicht, wie es die westliche und arabische Syrien-Diplomatie jahrelang versucht hat, aus der iranischen Umarmung herauslösen lassen. Das bricht ihm letzten Endes das Genick, denn das ist es, was Saudi-Arabien und die Golfstaaten bewegt." (06.08.2012)
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Debatten verfolgen » Syrien versinkt im Bürgerkrieg
La Repubblica - ItalienTeheran will Damaskus nicht verlieren
Die Entführung von 48 Iranern in Syrien zeigt, dass Teheran alle Hebel in Bewegung setzt, um Damaskus zu halten, analysiert die linksliberale Tageszeitung La Repubblica: "Durch Wallfahrten wollen die Iraner ihr Glaubensbündnis mit den syrischen Schiiten und den Alawiten festigen. Denn für den Iran ist Syrien nicht nur ein strategischer Partner, sondern auch das Land ihrer Glaubensbrüder, wenngleich diese dort in der Minderheit sind. Der Iran sieht sich selbst als Zentrum einer Religionsgemeinschaft und deshalb ist die Rolle als deren Beschützer wesentlich im Kampf um die Vorherrschaft. ... Ganz gleich, ob sich unter den Pilgern Pasdaran [Mitglieder der Revolutionsgarden] befinden oder nicht: Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Revolutionsgarden ihre 'militärischen Beobachter' im Land haben. Denn Teheran kann Damaskus nicht verlieren. Wahrscheinlich sitzen die wahren Pasdaran zwar woanders, doch die radikalen Sunniten wollen mit der Entführung die Rolle Teherans in dem Konflikt aufdecken." (06.08.2012)
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Süddeutsche Zeitung - DeutschlandIn Syrien gibt es drei Kriege
In Syrien finden eigentlich drei Kriege statt, stellt die linksliberale Süddeutsche Zeitung fest: "Zu Beginn stand der Kampf eines Diktators gegen den verarmten Teil seines Volks, das um Freiheit und Würde ringt. ... Der zweite Krieg wird zwischen Syriens Ethnien und Religionsgruppen geführt. Die Mehrheit der Sunniten - es sind noch lange nicht alle - stehen gegen die staatstragenden Minderheiten der Alawiten, Christen und Schiiten. … Außerhalb von Syrien aber läuft das ganz große, das geostrategische Kräftemessen, dessen Ausgang über den Bürgerkrieg mitbestimmt wird. Washington und Europa stehen im Sicherheitsrat gegen Moskau und Peking, in einer absurden Wiederauflage des Kalten Krieges. Die schmutzige Arbeit machen die Saudis, Katarer und Türken, die sich mit den USA und Israel gegen die Möchtegern-Atommacht Iran in Position bringen. So blasen sie den sunnitisch-schiitischen Dauerkonflikt um die regionale Vorherrschaft im Nahen und Mittleren Osten zum Faktor der Weltpolitik auf." (04.08.2012)
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Libération - FrankreichStaatengemeinschaft muss Opposition helfen
Die Lage in der syrischen Metropole Aleppo spitzt sich zu: Die Armee verstärkt im Kampf gegen die Aufständischen ihre Truppen, Medien berichten von Gewaltexzessen beider Seiten. Die internationale Gemeinschaft kann den Gräueltaten des Assad-Regimes einfach nicht weiter tatenlos zusehen, meint die linksliberale Tageszeitung Libération: "Nichts scheint das Massaker der zweiten Stadt des Landes verhindern zu können. … Die Diplomatie hat schon lange kapituliert, wie der Rücktritt von Kofi Annan [als Syrien-Sondergesandter von UN und Arabischer Liga] vergangene Woche bestätigt hat. Russland und China schützen Assads Macht weiter. Kann die Welt wirklich nichts machen, um Aleppo und das syrische Volk zu retten? Kann man die russischen und iranischen Paten, die das Regime bewaffnen und finanzieren, einfach gewähren lassen? Können die Welt und speziell das Frankreich von François Hollande nicht einen dritten Weg zwischen Nichthandeln und einer juristisch unmöglichen und strategisch gefährlichen internationalen Intervention einschlagen, indem sie der Opposition politisch und militärisch helfen? Und sei es nur, um das Feld und den Sieg nicht den Islamisten zu überlassen." (05.08.2012)
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