Navigation

 

Home / Presseschau / Archiv / Dossier

Top-Thema vom Mittwoch, 15. August 2012


Euro-Zone in der Rezession

Das Wirtschaftswachstum der Exportnation Deutschland verringerte sich im zweiten Quartal 2012 auf 0,3 Prozent. (© dapd)

Das Bruttoinlandsprodukt in den 17 Euro-Ländern ist nach Schätzungen der Statistikbehörde Eurostat vom Dienstag im zweiten Quartal um 0,2 Prozent abgesackt. Nach einer Stagnation im ersten Quartal steckt die Euro-Zone nun in einer Rezession. Kommentatoren fürchten die Ausweitung der Krise auch auf bislang stabile Volkswirtschaften und sind sich uneins, ob Sparmaßnahmen oder Wachstumsimpulse Europa aus der Rezession führen.


Il Sole 24 Ore - Italien

Krise betrifft auch Europas Kernstaaten

Während die Euro-Zone nach Schätzungen der europäischen Statistikbehörde Eurostat vom Dienstag in einer Rezession feststeckt, verzeichnet Frankreich eine Stagnation, Deutschland ein leichtes Wachstum. Diese Ausnahmen sind für die liberal-konservative Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore aber kein Grund zum Optimismus: "Die düsteren Vorhersagen haben sich nur zum Teil bewahrheitet. Denn in Frankreich und in Deutschland, dem Herz der starken Länder, verlangsamt sich das Wachstum zwar, doch weniger einschneidend als erwartet. ... Die Quartalszahlen spiegeln eine Euro-Zone der zwei Geschwindigkeiten wider, oder besser gesagt, der entgegengesetzten Marschrichtungen. … Während die Schuldenländer, aber überraschenderweise auch Finnland, absacken, wachsen andere weiter, wenn auch langsamer als zuvor. ... Dies widerlegt jedoch nicht die These, dass sich die Krise von Randstaaten langsam aber sicher auf die gesamte Währungsunion ausweiten wird. Der Abwärtstrend hat sich bestätigt, zumal in Deutschland, wo das Wirtschaftswachstum in erster Linie auf der rein mathematischen Logik des Bruttoinlandsprodukts beruht: Solange der Export langsamer fällt als der Import, steigt die Kurve." (15.08.2012)


Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Baltikum zeigt, dass sparen hilft

Die Gefahr einer anhaltenden Rezession in der Euro-Zone geht vor allem von den südlichen Ländern Europas aus, die dringend Strukturreformen umsetzen müssen, analysiert die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung und lobt die Reformanstrengungen des Baltikums: "Die baltischen Staaten haben sich in den zurückliegenden Quartalen aussergewöhnlich gut behauptet. Hier zeigen sich die Reform-Früchte der jüngsten Vergangenheit. Estland, Lettland und Litauen mussten nämlich nach der jüngsten Finanzkrise schmerzliche innere Abwertungen vornehmen und haben dank fallenden Löhnen und Preisen - in Kombination mit flexiblen Arbeitsmärkten - auf den Erholungspfad zurückgefunden. Solche Erfolgsgeschichten sollten im Auge behalten werden, wenn zusehends beklagt wird, dass die Problemländer im Zuge der auferlegten Austeritätsprogramme 'kaputtgespart' würden. Es gibt nämlich keine gangbare Alternative zum Sparkurs, der zusammen mit Reformmassnahmen längerfristig die Wettbewerbskraft der Volkswirtschaften stärken muss." (15.08.2012)


The Economist - Großbritannien

EZB-Inflationspolitik ist der falsche Weg

An der Rezession in der Euro-Zone ist auch die Inflationspolitik der Europäischen Zentralbank schuld, argumentiert Ryan Avent im Blog der wirtschaftsliberalen Wochenzeitschrift The Economist: "Die Europäische Zentralbank hat diesen gefährlichen Rückgang erlaubt, weil sie sich zwanghaft auf Inflation konzentriert. Die Preissteigerung liegt seit Ende 2010 über zwei Prozent. Dieser Fokus kann ein schlimmer Fehler sein. Die stark sinkende Nachfrage wird irgendwann die Inflation herunterdrücken - möglicherweise auf Kosten unhaltbar schmerzhafter Schrumpfung in den Krisenländern. Unterdessen verschärft die Entscheidung der EZB, einen stetigen Rückgang der Nachfrage und die daraus folgenden Engpässe in den Krisenländern zuzulassen, die Finanzkrise und übt somit großen Druck auf die EZB-Vertreter aus, unorthodoxe Maßnahmen zu ergreifen. Die Fixierung auf die Inflation führt dazu, dass die Zentralbank stärker in die Wirtschaft eingreift und sich politisch übernimmt. Sie sollte sich lieber auf stabiles Nachfrage-Wachstum konzentrieren." (14.08.2012)


Diário de Notícias - Portugal

Kein Wachstum für Portugal in Sicht

Von der aktuellen Rezession in der Euro-Zone sind Portugal und die anderen Krisenländer im Süden Europas besonders betroffen, und auch die deutsche Wirtschaft schafft es nicht mehr, die Rezession im Währungsraum einzudämmen, meint die liberal-konservative Tageszeitung Diário de Notícias: "Am selben Tag, an dem das portugiesische Statistikamt mitteilte, dass die Arbeitslosigkeit in Portugal die 15 Prozent-Marke erreicht habe, bereiteten die Eurostat-Zahlen weitere Sorgen: Die Rezession im zweiten Quartal betrug 3,3 Prozent, die höchste seit 2009. Unter den 17 Euro-Ländern ist einzig Griechenland in schlechterer Lage als Portugal. Im gesamten Euro-Raum ist die Wirtschaftsleistung geschrumpft. Auch die deutsche Wirtschaft, die europäische Lokomotive, wuchs nur um 0,3 Prozent. Angesichts dieser alarmierenden Zahlen versuchte Premier Passos Coelho eine Botschaft der Hoffnung zu vermitteln. Jedoch wählte er seine Worte mit bedächtiger Vorsicht: Er hat kein Wirtschaftswachstum für 2013 versprochen, sondern nur das Ende der Rezession." (15.08.2012)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 15. August 2012

Weitere Inhalte