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Top-Thema vom Donnerstag, 16. August 2012


UN warnen vor Lebensmittelkrise

Aufgrund der größten Dürrekatastrophe seit 50 Jahren erwarten die USA ein 17-prozentiges Minus bei der Maisernte gegenüber 2011. (© AP/dapd)

Enorme Ernteausfälle aufgrund von Dürre in den USA und Indien treiben die Getreidepreise in die Höhe. Die UN-Ernährungsorganisation FAO gab an, dass sie knapp unter dem Allzeithoch vom April 2008 liegen, und warnte vor einer weltweiten Lebensmittelkrise. Kommentatoren kritisieren, dass Emissionen und Spekulationen die Missstände mit verursacht haben, und mahnen, Lebensmittel nicht zu Biosprit zu verarbeiten.


Corriere del Ticino - Schweiz

Treibhausgase und Spekulation Grund für Misere

Mit der Emission von Treibhausgasen und der Spekulation auf Lebensmittelpreise hat die Welt die Dürrekatastrophen sowie die explodierenden Getreidepreise selbst verursacht, meint die liberale Tageszeitung Corriere del Ticino. Ein Verbot von Biosprit sei das Mindeste, was man zum Ausgleich tun sollte: "Neben dem versäumten Klimaschutz ist die Katastrophe noch auf eine Reihe weiterer Fälle menschlichen Versagens zurückzuführen. ... Etwa die Verwandlung landwirtschaftlicher Produkte in Finanzprodukte, wodurch das Gesetz von Angebot und Nachfrage außer Kraft tritt. Heute ist das an der Börse gehandelte Volumen von Transaktionen im Agrarbereich im Schnitt 46 Mal so hoch wie die tatsächliche Produktion. Das ist heller Wahn. Und als ob dies nicht reichen würde, wächst auch noch der Konsum an Biosprit, der voreilig als umweltfreundlich verkauft wird. Ein stetig wachsender Teil der weltweiten Landwirtschaftsproduktion verpufft wortwörtlich. Er wird von unseren Verbrennungsmotoren gefressen, was zwar die Emission umweltschädlicher Stoffe verringern mag, dabei aber den Hunger in der Welt vermehrt." (16.08.2012)


Der Standard - Österreich

Biosprit lässt Arme hungern

Das eigentliche Problem hinter den steigenden Getreidepreisen sind nicht die aktuellen Dürren, sondern der Anbau von Mais für Biosprit, denn 40 Prozent der Maisernte in den USA fließen in den Tank, kritisiert die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "Es handelt sich dabei um keinen Versorgungsengpass, sondern um ein ökonomisches Lehrstück. Denn weltweit sind die Getreidespeicher gut gefüllt. Hungern müsste keiner mehr. Aber die Preise lassen den Magen knurren. ... Brechen die USA mit ihrer Biospritpolitik, dann würde so viel Mais auf den Teller drängen, dass der Preis für die gelben Körner mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sinkt. Die Agrarflächen drohen langsamer zu wachsen als die Weltbevölkerung. Setzt man weiter auf Biosprit, dann muss schleunigst die zweite Generation, die das Abfallprodukt Stroh verspritet, marktreif gemacht werden. Sonst hängt die Kost der Ärmsten der Welt von unserem Fahrverhalten ab." (14.08.2012)


Trouw - Niederlande

Getreide horten löst Problem nicht

Der niederländische Landwirtschaftsverband LTO hat angesichts der weltweit rasant steigenden Getreidepreise dafür plädiert, einen strategischen Getreidevorrat anzulegen, um Bauern vor negativen Folgen großer Preissteigerungen zu schützen. Das ist unsinnig und packt das eigentliche Problem nicht an der Wurzel, meint die christlich-soziale Tageszeitung Trouw: "Das Risiko besteht, dass die Einkommen in der Landwirtschaft über die Produktion unterstützt werden. Damit hat man in Europa schlechte Erfahrungen gemacht. Preisschwankungen durch mittelfristige Verträge oder Vorräte zu kontrollieren, ist an sich prima. Aber das müssen die Marktparteien tun und nicht der Staat. Die schnell steigenden Preise für Getreide müssen allerdings Anlass sein, um die Produktion von Biobrennstoffen zu überprüfen, vor allem in den USA. Amerikanische Gesetze sorgen dafür, dass ein großer Teil der Maisernte nicht im Magen, sondern im Tank landet. Diese Gesetze müssen angepasst werden. ... Auch, weil Technologien inzwischen zeigen, wie man Biobrennstoffe aus Pflanzenresten macht, die man nicht essen kann." (16.08.2012)


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