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Top-Thema vom Montag, 27. August 2012


Höchststrafe für Massenmörder Breivik

Die Osloer Richter erklärten Breivik für zurechnungsfähig und distanzierten sich damit klar vom ersten rechtspsychiatrischen Gutachten. (© AP/dapd)

Ein Osloer Gericht hat den Attentäter von Oslo und Utøya, Anders Breivik, am Freitag zur Höchststrafe von 21 Jahren mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Es erklärte ihn für voll zurechnungsfähig und entschied sich damit gegen seine Einweisung in die Psychiatrie. Kommentatoren sehen das Urteil als Neuanfang für Norwegen und warnen zugleich vor der Weiterverbreitung von Breiviks Gedankengut in Europa.


Der Spiegel - Deutschland

Norwegen kann Neuanfang wagen

Das Urteil des Osloer Gerichts im Verfahren gegen Breivik ermöglicht Norwegen einen Neuanfang und die dringend nötige Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Problemen der Zeit, analysiert das Nachrichtenmagazin Der Spiegel: "Kein Schlussstrich also, eher ein Neuanfang für Norwegen: Was durch eine Untersuchungskommission über Versäumnisse der Sicherheitssysteme bekannt wurde, wirft ein verheerendes Bild auf die Bereitschaft der politischen Klasse, sich mit den drängenden Problemen der Gegenwart auseinanderzusetzen. Unangenehme Debatten über Fremdenangst, Zuwanderung, Ausländerkriminalität, über die Ausstattung der Sicherheitsbehörden und dergleichen wurden unterdrückt, Missstände gar nicht wahrgenommen. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist das Urteil gegen Breivik, das eine aufrechte Richterin unmissverständlich formulierte, zu begrüßen: Terror und Gewalt machen nicht halt an Landesgrenzen; gefährlichen Ideologien hat der Staat Einhalt zu gebieten." (26.08.2012)


Aftonbladet - Schweden

Europa hat nichts aus Utøya gelernt

Auch nach der Verurteilung wird Breivik seinen Briefwechsel mit Gesinnungsgenossen aus aller Welt fortsetzen dürfen. Die linksliberale Boulevardzeitung Aftonbladet warnt deshalb vor der Verbreitung seines Gedankenguts: "Breiviks Zeit ist vorbei, was nun bleibt, ist ewige Einsamkeit hinter Mauern und Stacheldraht. Die Welt wird ihn vergessen und ihre Blicke in andere Richtungen lenken. Aber die Vorstellung, dass die schrecklichen Islamisten, Feministen und Kulturmarxisten gemeinsam Komplotte schmieden, um die westliche Welt, so wie wir sie kennen, zu vernichten, wird weiterhin überall in Europa auf Internetseiten und von fremdenfeindlichen Politikern verbreitet werden. Es ist, als hätte es den 22. Juli 2011 nie gegeben, als hätten die Menschen nichts gelernt." (25.08.2012)


Polityka Online - Polen

Breiviks Gedankengut lässt sich nicht einsperren

Der Massenmörder Anders Breivik ist zwar wahrscheinlich lebenslang hinter Gittern, nicht aber sein krankhaftes Gedankengut, fürchtet das linksliberale Nachrichtenportal Polityka Online: "Im Gefängnis gibt es nämlich keine Vorschrift, die Breivik daran hindert, Interviews zu geben, Bücher zu veröffentlichen oder irgendwelche kranken Ergüsse in Form eines Manifests zu publizieren, wie er eines kurz vor dem Verbrechen herausgegeben hat. Die richtige Frage ist deshalb die: Nehmen wir einmal an, er würde doch freikommen und im Jahr 2033 plötzlich auf Europas Straßen erscheinen. Was für ein Europa wäre das dann? Werden die Ideologien der Angst und des Rassismus und antidemokratische und islamophobe Bewegungen dann nur noch Geschichte sein? Oder werden wir Breiviks Manifest gegen die multikulturelle europäische Gesellschaft lesen wie 'Mein Kampf' von Hitler?" (27.08.2012)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 27. August 2012

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